ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2009Honorarreform 2009: Geringere Kapazitäten

EDITORIAL

Honorarreform 2009: Geringere Kapazitäten

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Zum 1. Januar ist eine neue Gebührenordnung in Kraft getreten, die bereits viele Ärzte – und nun auch Psychologische Psychotherapeuten (PP) – ratlos macht. Rund 3,5 Milliarden Euro mehr stehen für die ambulante Versorgung zur Verfügung, und dennoch befürchten zahlreiche Niedergelassene erhebliche finanzielle Einbußen. Zunächst soll nun eine Konvergenzphase helfen, Verluste auszugleichen, aber auch Gewinne zu begrenzen.

Die Diskussion um die Honorarreform zieht sich inzwischen seit drei Monaten durch alle Medien. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichte über die neuesten – meist negativen – Entwicklungen bei den Ärztehonoraren. Es ist ein Dauerbrenner bei den Ärzten und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Um die Psychologischen Psychotherapeuten war es allerdings noch zu Beginn des Jahres erstaunlich ruhig, galten sie doch, vor allem in den neuen Bundesländern, als die Gewinner der Honorarreform. Dabei ist hier nur das geglückt, was bei den Ärzten so schwierig ist: eine transparente Gebührenordnung, die selbst für einen Laien leicht nachvollziehbar ist. Bundesweit berechnet jeder PP pro Behandlungsstunde genau 81,03 Euro. Allerdings sind die Kapazitäten beschränkt: Die niedergelassenen Psychotherapeuten dürfen in der Woche nur maximal 38 Stunden Patienten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung behandeln. Hinzu kommen dann je nach Bundesland noch einmal bis zu 50 Stunden pro Quartal für zum Beispiel diagnostische Tätigkeiten.

Bereits jetzt müssen viele Patienten unter anderem aufgrund dieser Regelung lange auf einen Termin bei einem PP warten. Das ist besonders dann problematisch, wenn der Patient unter einer akuten Störung leidet. Den PP fehlt es hier – aufgrund der Psychotherapie-Richtlinien – immer noch an Möglichkeiten, zum Beispiel mit Notfallsprechstunden flexibel zu reagieren. Damit könnte man bereits vorher filtern, welche Patienten dringend kurzfristig einen Termin brauchen. Aber auch wenn das gelänge, wäre es für die Patienten mehr als bedauerlich, wenn die Kapazitäten der PP noch weiter begrenzt würden, denn warten können viele nicht.

Doch bereits Ende Februar hat der Erweiterte Bewertungsausschuss eine rigidere Mengensteuerung für psychotherapeutische Leistungen ab Juli dieses Jahres angekündigt. Dies geschah wohlgemerkt vor Ablauf des ersten Quartals nach der neuen Euro-Gebührenordnung, also bevor es überhaupt verlässliche Zahlen gab, die diese Entscheidung hätten begründen können. Eine niedrigere Kapazitätsgrenze würde aber wiederum dazu führen, dass GKV-Patienten noch länger auf einen Termin warten müssten.

Unterdessen erkranken jedes Jahr zwei bis drei Millionen Menschen so schwer an psychischen Störungen, dass sie länger als vier Wochen arbeitsunfähig sind – mit massiven Konsequenzen für die volkswirtschaftlichen Kosten (lesen Sie hierzu mehr auf Seite 170). Doch nur für höchstens eine Million Erwachsene steht ein ambulanter psychotherapeutischer Platz zur Verfügung – dabei ist der Behandlungsbedarf für die leichten und mittelschweren psychischen Erkrankungen noch nicht bedacht. Unter anderem müsste aber auch die psychotherapeutische Versorgung der Kinder und Jugendlichen dringend verbessert werden – dies fordern die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (dazu mehr auf Seite 151).
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