ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2009Randnotiz: Geschenkte Jahre

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Randnotiz: Geschenkte Jahre

PP 8, Ausgabe April 2009, Seite 149

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS „Oh Gott, jetzt werd ich schon 30“. Diesen Satz – wahlweise mit den Zahlen 40, 50 oder auch 60 – hört man häufig, wenn ein runder Geburtstag ansteht.Vielleicht ist das manchmal nur so dahergesagt, doch es steht außer Frage: Die Menschen wollen jung sein oder zumindest so aussehen. Alt wird niemand gern. Das scheint völlig plausibel zu sein, denn Alter gilt als Abbau. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Irgendwann kommen dann die ersten Wehwehchen, schließlich Krankheit und Pflegebedürftigkeit.

Kaum jemand sieht das Altern als Geschenk. Aber: Wie sehr hätten sich viele Menschen in den Generationen vor uns gewünscht, ihr 70. oder 80. Lebensjahr zu erreichen?! Stattdessen starben viele in jungen Jahren an Tuberkulose, Diphtherie und anderen Infektionskrankheiten. Oder sie fielen schon viel früher der hohen Kindersterblichkeit zum Opfer. Unter den heutigen Lebensbedingungen muss man hierzulande kaum noch fürchten, mit 30 an einer Pneumonie zu sterben. Doch gerade vor der modernen Medizin, die das verhindern kann, haben die Menschen Angst – davor, dass die Ärzte sie nicht sterben lassen. Das spiegelt sich auch in den Debatten um Sterbehilfe wider.

Das Dilemma wird am Beispiel eines 80-jährigen Patienten deutlich. Bislang fit und selbstständig, wird er am Herzen operiert. Wenn alles gut geht, er wieder auf die Beine kommt und noch zehn Jahre zufrieden lebt, dann sagt das Umfeld: „Das ist ja wirklich toll, was die Medizin alles kann.“ Gibt es hingegen Probleme, der Patient liegt lange auf der Intensivstation und wird schließlich ein Pflegefall, dann sagt man: „Mussten die Ärzte diesen alten Mann denn so quälen?“
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