ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2009Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten: Bessere Versorgung gefordert

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Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten: Bessere Versorgung gefordert

PP 8, Ausgabe April 2009, Seite 151

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Um psychisch kranken Kinder und Jugendlichen effizienter helfen zu können, wäre eine bessere Vernetzung auch mit den Eltern, der Schule und Ärzten sinnvoll.

Foto: iStockphoto
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Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu – zumindest werden sie häufiger diagnostiziert und Experten sind sich einig: Die Fälle psychischer Störungen werden vielschichtiger, damit auch schwieriger zu behandeln, und das kostet wiederum mehr Zeit. Allerdings gibt es nicht genügend Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP), um die Betroffenen in einem angemessen Umfang zu behandeln. „Es muss aber vor allem auch die soziale Komponente in der psychotherapeutischen Behandlung gestärkt werden“, sagte Prof. Dr. Silke Gahleitner, Institut für Klinische Psychologie und Sozialarbeit der Alice-Solomon-Fachhochschule Berlin auf der wissenschaftlichen Tagung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (BKJ) in Frankfurt am Main.

Unter dem Motto „Ich sehe was, was du nicht siehst“ diskutierten mehr als 230 KJP Anfang März die Zukunft der psychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Diese seien besonders von den immer stärker auseinanderklaffenden sozialen Chancenstrukturen, sozialer Ausgrenzung und auch Armut betroffen, betonte Gahleitner. „Viele der Langzeitfolgen psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter sind unter solchen Bedingungen bis hinein in das Erwachsenenalter mit Risiken verbunden: für die Erwerbstätigkeit, die sozialen Kompetenzen und die Fähigkeit, mit den Anforderungen unserer Gesellschaft im persönlichen sowie beruflichen Umfeld zurechtzukommen“, so die Psychologin. Allerdings werde durch die Richtlinienpsychotherapie mit ihrem eng gesetzten Behandlungs-Setting nur ein bestimmter Kreis der betroffenen Kinder und Jugendlichen erreicht. „Eine deutlich bessere Vernetzung zwischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und den mit den Kindern und Jugendlichen betrauten Institutionen wie Kindergarten, Hort, Schule, Betrieb, der Jugendhilfe und Ärzten sowie der Psychiatrie muss aufgebaut werden“, forderte aus diesem Grund Marion Schwarz, stellvertretende Vorsitzende des BKJ. Es mangele an integrierten Versorgungsangeboten, damit den jungen Patienten rechtzeitig, umfassend und aufeinander abgestimmt geholfen werden könne. Die Leistungen müssten selbstverständlich honoriert werden, da sie zusätzliche Kontakte, Absprachen, Konferenzen und Stellung-nahmen erforderten. Hierzu sei es sinnvoll, neben der bisherigen Psychotherapie in der niedergelassenen Praxis, im Verbund mit Kinderärzten, Sozialpädagogen und Familientherapeuten neue Formen der psychotherapeutischen Unterstützung zu entwickeln. Diese sollten auf die spezifischen Probleme der Betroffenen eingehen und über das bisherige eng abgesteckte Angebot der Einzelpsychotherapie mit einer Sitzung in der Woche hinausgehen.

Die Politik hatte bereits mit der Mindestquote von 20 Prozent für KJP versucht, die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Das Gesetz trat zum 1. Januar 2009 in Kraft und wurde von allen Seiten als großer Erfolg gefeiert. Es kann aber noch bis zum Herbst dauern, bis die Selbstverwaltung alle Schwierigkeiten bei der Umsetzung behoben hat. Solange stehen hoch qualifizierte KJP, die in der Versorgung dringend benötigt werden, in den Startlöchern.
Sunna Gieseke
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