ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2009Krankenstand: Psychische Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch

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Krankenstand: Psychische Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch

Flintrop, Jens

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Die 9,7 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmer waren im vergangenem Jahr im Durchschnitt 17,0 Tage krankgeschrieben. Dies entspricht einem Anstieg um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2007 hatte jeder Arbeitnehmer durchschnittlich 16,3 Tage krankheitsbedingt gefehlt. Diese Zahlen veröffentlichte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) Ende Februar in Berlin.

In den vergangenen Jahren war der durchschnittliche Krankenstand stetig zurückgegangen und hatte 2006 einen historischen Tiefstand erreicht. In den letzten zwei Jahren war demgegenüber wieder ein leichter Anstieg der Ausfalltage zu verzeichnen. So stieg der Krankenstand im Jahr 2008 auf 4,6 Prozent, nach 4,5 Prozent im Jahr 2007. Mehr als die Hälfte der 9,7 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmer waren 2008 mindestens einmal krankgeschrieben. Die längsten Fehlzeiten verzeichneten wie in den Vorjahren die Abwasser- und Abfallbeseitigung (23,8 Tage) und die Autoindustrie (19,1 Tage). Geringe Fehlzeiten gab es in der Datenverarbeitung (9,5 Tage), im Kreditgewerbe (11,6 Tage), im Bereich Forschung und Entwicklung (12,5 Tage) sowie im Versicherungsgewerbe (12,7 Tage).

Bei den Ursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten liegen die Muskel- und Skeletterkrankungen mit einem Anteil von 24,2 Prozent weiterhin an der Spitze, gefolgt von Verletzungen (12,6 Prozent) und Atemwegserkrankungen (12,5 Prozent). 8,3 Prozent der Fehlzeiten waren 2008 auf psychische Erkrankungen zurückzuführen, die damit erneut zulegten. „Termin- und Leistungsdruck am Arbeitsplatz nehmen ständig zu und damit auch die psychischen Belastungen. Wir können dies an der stetig steigenden Anzahl von Fehltagen ablesen“, kommentierte Dr. Herbert Reichelt, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, diese Entwicklung. Seit dem Jahr 1995 sind die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen um 80 Prozent gestiegen, während gleichzeitig andere Erkrankungen zurückgegangen sind. Dabei sind auch die Ausfallzeiten meist höher: Im Schnitt betragen sie bei einer psychischen Erkrankung 22,5 Tage. Bei einer Atemwegserkrankung hingegen fehlt ein Arbeitnehmer durchschnittlich 6,4 Tage.

Die Studie betont die Wichtigkeit des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Arbeitsbedingte Erkrankungen zu vermeiden, lohne sich dabei sowohl für den Mitarbeiter wie auch den Betrieb. Die Krankenkassen unterstützten deshalb Unternehmen bei der Umsetzung von Maßnahmen, die die gesundheitliche Situation der Arbeitnehmer verbesserten. Im Jahr 2007 hätten insgesamt 627 000 Beschäftigte im betrieblichen Kontext erreicht werden können. Am häufigsten nehmen die Arbeitnehmer demnach Angebote zum Erkennen und Vermeiden körperlicher Belastungen wahr; auf dem zweiten Rang liegt das Thema Stressmanagement mit mehr als einem Drittel der durchgeführten Maßnahmen. Dabei biete das betriebliche Umfeld einen guten Zugang zu Menschen mit zumeist hohen Mehrfachbelastungen aufgrund ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen: „Eine Stärkung der Mitarbeiter beim Umgang mit psychischen Belastungen wie zum Beispiel Stress ist eine Investition in die Zukunft eines jeden Einzelnen wie auch des Betriebes“, betont die WIdO-Studie.
Jens Flintrop
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