ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1997Börsebius zu Aktien: Am Ende die Dummen

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktien: Am Ende die Dummen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Garstige Kunde ist von SAP, der deutschen Edelsoftwareschmiede zu hören. Reihenweise sollen, den Bekundungen der Ermittlungsbehörden zufolge, viele Leute im "inner circle" des Unternehmens Insiderinformationen ausgenutzt haben. Vor dem 23. Oktober letzten Jahres verkauften demnach etliche Besserwisser jede Menge Aktien, bevor aufgrund veröffentlichter schlechter Unternehmensnachrichten der Kurs an einem Tag (!) um fast ein Viertel abstürzte.
Es läge natürlich auch der Schluß nahe, daß zu anderen Zeiten dieselben Spezialisten SAP-Aktien kauften, bevor gute Nachrichten das Sonnenlicht erblickten. Von fairer Kursfindung also keine Spur. Diese Mentalität des Gebens und Nehmens wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Unternehmensphilosophie des Hauses und mag ein Hinweis darauf sein, daß der private Anleger am Ende oft genug der Dumme ist. Richtig erwischt hat es dagegen bereits Bre-X-Aktionäre. Dahinter verbirgt sich eine kanadische Goldminenaktie, und die ist von ein paar Cents auf einen Kurs von 200 Can-Dollar gestiegen. Das Kursfeuerwerk kam zustande, weil das Unternehmen auf Borneo Goldvorkommen entdeckt habe, die angeblich nahezu 200 Millionen Unzen ausmachten.
Einziges Problem dabei: irgendwer hat im großen Stil an den Testbohrungsstellen, im sogenannten BusangVorkommen, vorher das Gold verbuddelt. Der Schwindel flog jetzt auf, und die Aktie zerbarst auf das passende Niveau. Von viel auf nix. Damit geht das wertlose Busang-Vorkommen als wohl größter Schwindel in die Geschichte des Goldbergbaus ein. Der private Anleger ist in diesem Fall am Ende. Der Dumme sowieso.
"Einen Sohn zeugen. Einen Baum pflanzen. Einen Fernsehsender kaufen." Dümmer geht’s wirklich nimmer. Gleichwohl buhlt ProSieben mit dieser Anzeige dieser Tage um Anleger für den bevorstehenden Börsengang. Teilhaber eines Fernsehsenders würden in ihre eigene Zukunft investieren, tönt es da vollmundig. Was habe ich eigentlich von einer Filmabspielanstalt, die mir zu einem Zighunderttausendstel gehört? Bisher dachte ich immer, mit Bildung würde man der Zukunft gewappnet gegenüberstehen und nicht mit dem genauen Gegenteil.
Der Gipfel der Paradoxie: Am Ende wird sich die Emission für den Anleger lohnen, da mit einer zigfachen Überzeichnung zu rechnen ist, schlicht, weil jedermann Besitzer einer Fernsehanstalt werden will. So komme ich leider nicht umhin, wider besseres Wollen zur Zeichnung zu raten. Börsebius
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