ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2009Kran­ken­ver­siche­rung: Kaum vorstellbar
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Was nach Ansicht des Autors in die richtige Richtung weist, ist für mich eine Schreckensvorstellung: Eine zwangsweise privatrechtlich organisierte Kran­ken­ver­siche­rung lässt sich bei den derzeitigen Verwerfungen im Finanzmarkt kaum vorstellen. Die immer gepriesene Kapitaldeckung gerät zum Albtraum, wenn die Versicherungsrücklagen verschwinden. Umlagekassen haben zumindest dieses Problem nicht. Dass ein privates Versicherungsunternehmen aus den Prämien auch eine Rendite erwartet, ist da nur ein kleines Zusatzproblem. Gewichtiger ist die Frage der für die Versicherer verpflichtenden Basisversorgung ohne Gesundheitsprüfung: Dies greift elementar in das Wesen einer Versicherung ein, das stets auf risikoadaptierten Prämien und auch Ausschlüssen beruht. Nicht zuletzt deshalb ist die bisherige PKV für die Allgemeinheit ungeeignet. Sie funktioniert ja nur ohne Kontrahierungszwang . . . Müsste nun für alle Menschen eine Privatversicherung angeboten werden, würden die Prämien wahrscheinlich unerwünschte Höhen annehmen. Dann benötigten nicht wenige Menschen finanzielle Hilfe, um sie zu bezahlen. Oder die Basisversicherung wäre im Wortsinn nur eine Grundlage für eine Kran­ken­ver­siche­rung, böte aber keinen ausreichenden Versicherungsschutz. Dann träfe es die chronisch Kranken: Sie wären auf Transferleistungen angewiesen, denn privat zusatzversichern können sie sich nicht. Bestes Beispiel ist ein juveniler Diabetiker, der als gut informierter Patient weiß, in seinem Leben wahrscheinlich mehr Medizin als andere in Anspruch nehmen zu müssen. Er würde also gut daran tun, Geld für zusätzliche Versicherungsleistungen auszugeben – aber eine Privatkrankenversicherung wird ihn nicht aufnehmen . . .
Dr. med. Dietrich Tamm, Sebastian-Bach-Straße 39, 56075 Koblenz
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