ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2009Studium: Begleitende Studie
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. . . Eine heitere Darstellung bedient sich oft des Stilmittels, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Deshalb sei uns der gleiche Weg bei der Analyse Ihres Artikels erlaubt: Ob „Medi-Learn“ die gesamte Vorklinik ausrichten kann, wissen wir nicht. Wir kennen aber die Größe des Anteils, den „Medi-Learn“ in Form der speziellen Prüfungsvorbereitung durchführt. Der Umfang dieser freiwillig zu absolvierenden Lehrformen ist weniger als ein Prozent der gesamten vorklinischen Lehre und wird auf Bitte und in Abstimmung mit den Studierenden in Göttingen angeboten. Ob diese kleine Prozentzahl das Schreiben eines Menetekels, nämlich: die Lehre wird in Göttingen aus der Medizinischen Fakultät ausgegliedert, erlaubt, darf in hohem Maß bezweifelt werden (Da das Artikelchen ähnlich winzig wie die betrachtete Lehrform sich im DÄ ausnimmt, würden wir bei gleicher Denkweise vorhersagen können, dass das DÄ in naher Zukunft ein Satiremagazin sein wird.) Da die Studierenden bei dem Einsatz der Studienbeiträge (Um diese Mittel handelt es sich neben der direkten anteiligen Bezahlung durch die Teilnehmenden. Studiengebühren sind etwas anderes.) ein entscheidendes Wort mitreden können, kann man davon ausgehen, dass der Einsatz von „Medi-Learn“ ein nachdrücklicher Wunsch der Studierenden ist. Wir begleiten die Einführung dieser besonderen Lehrform, die auf die Klausur des IMPP speziell vorbereiten soll, mit einer entsprechenden Studie, deren erste Ergebnisse vorliegen und publiziert werden sollen (Raupach et al.). In dieser Studie wird die Fragestellung verfolgt, was diese Form des Trainings bringt. Auch die Frage, ob eine solche spezielle Vorbereitung „Ballast“ ist, wird im Rahmen der Studie zu beantworten sein. Allgemein weiß man, dass die Prüfungsformen das Lernverhalten stark beeinflussen. So ist anzunehmen, dass vielen Studierenden ein spezielles Training willkommen ist. Die Inhalte des Physikums werden selbstverständlich im Rahmen der durch die Fakultät angebotenen Lehrformen den Studierenden (und wie die Ergebnisse zeigen, immer besseren Erfolg) nahegebracht. Wir gehen davon aus, dass das DÄ mit der gleichen Vehemenz über die Auswertung dieser unserer Evaluationsergebnisse zur Nutzung von „Medi-Learn“ berichten wird, wie es jetzt das vermutete „Outsourcing“ positioniert hat. Wichtig ist es uns noch, darauf hinzuweisen, dass es ein Ziel der ärztlichen Ausbildung ist, den Studierenden zu vermitteln, dass sie die Grenzen ihres Wissens und ihrer Fertigkeiten erkennen. Diese Forderung gilt sicherlich auch für eine Fakultät. Da wir uns nicht sicher sein können, ob wir neben der fachlichen Hilfestellung beim Erlernen der Prüfungsinhalte auch die Richtigen bei der Vermittlung der „Antworttechnik für IMPP-Fragen“ sind, ist der Versuch mit „Medi-Learn“ (mit entsprechender wissenschaftlicher Begleitung) gewagt worden . . . Zusammengefasst bleibt festzuhalten: Angemessene Hilfe den Studierenden bei der Prüfungsvorbereitung zukommen zu lassen, dürfte nicht zur Verleihung von Armutszeugnissen führen. Prozentsätze von ein Prozent und kleiner sollten sich nicht zu einer Diskussion ausweiten, dass der „Rest“ (100 Prozent der Pflichtlehre und 99 Prozent der Gesamtlehre) überflüssig wird . . .

Prof. Dr. Cornelius Frömmel, Dekan der
Medizinischen Fakultät, Sprecher des Vorstandes
Christopher Spering, Fachgruppensprecher der Fachschaft Medizin
Universitätsmedizin Göttingen, Robert-Koch-Straße 42, 37075 Göttingen
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