ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1997KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung in Eisenach: Aufbruch zu neuen Ufern?

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KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung in Eisenach: Aufbruch zu neuen Ufern?

Maus, Josef

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LNSLNS Der 100. Deutsche Ärztetag in Eisenach ist geschichtsträchtig. Dafür steht die Jubiläumszahl. Er ist aber ebenso zukunftsweisend, denn immerhin berät das Ärzteparlament die Novellierung der (Muster-)Berufsordnung und der Weiter­bildungs­ordnung in Sachen Allgemeinmedizin. Nach vorne gerichtet ist auch der Blick der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die traditionell im Vorfeld des Ärztetages zusammentritt. Es ist die erste Arbeitstagung nach den Neuwahlen des KBV-Vorstandes im März dieses Jahres. In Eisenach sollen - nach einer langen Durststrecke - die Weichen für die Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung gestellt werden. Vier Jahre zuvor hatte ebenfalls ein weitgehend neuformierter Vorstand die Arbeit aufgenommen: hoch ambitioniert und engagiert. Dennoch standen den rund 115 000 Kassenärzten äußerst schwierige Zeiten bevor. Eingezwängt in die starre Budgetpolitik des Gesundheitsstrukturgesetzes blieb der KBV-Führung kaum mehr als die "bestmögliche Verwaltung des Mangels". Erst zum Ende der Amtszeit zeichnete sich eine Wende zum Besseren ab: Das 2. GKV-Neuordnungsgesetz läßt auf ein wenig mehr Spielraum für die kassenärztliche Selbstverwaltung hoffen. Eine Chance, die genutzt werden muß.
Daß der neue KBV-Vorstand um Dr. med. Winfried Schorre fest entschlossen ist, die Sachfragen in den Vordergrund zu stellen und die (nicht wenigen) anstehenden Probleme im Konsens zu lösen, zeichnet sich von Anfang an ab. Die "Chemie" in der Führungsetage der Kassenärzteschaft scheint zu stimmen.
In Eisenach will der Vorstand mit der Ver­tre­ter­ver­samm­lung ein Arbeitsprogramm diskutieren, das in einer mehrtägigen Klausur zusammengestellt worden ist. Es umfaßt hauptsächlich strukturelle Fragen wie etwa die Förderung vernetzter Praxisstrukturen und das Verhältnis zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Die Weiterentwicklung des EBM ist ein zentrales Anliegen, ein drängendes allemal. Die Kassenärzte sollen ihre Praxisumsätze endlich wieder kalkulieren können. Das 2. GKV-Neuordnungsgesetz schafft dafür die Voraussetzung, indem es die Vereinbarung von festen Punktwerten vorsieht.
Auch das Arzneimittelbudget mit seiner unsäglichen kollektiven Haftung durch alle Kassenärzte wird bald der Vergangenheit angehören. Richtgrößen treten an seine Stelle. Der KBV-Vorstand hat hierzu bereits Eckpunkte formuliert.
Von weitreichender Bedeutung dürfte schließlich die angestrebte Überprüfung des Leistungskataloges der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sein. Wenn eine Flurbereinigung zu neuen Strukturen im Gesundheitswesen führen kann, dann diese. Wie auch immer sich die Dinge in der nahen Zukunft entwickeln werden: Eisenach steht für einen Neuanfang mit Chancen und Risiken. Die Chancen liegen in einer mutigen Strukturpolitik, die die Handlungsfähigkeit der Selbstverwaltung unter Beweis stellen kann. Die Risiken sind bei den Ärzten selbst zu suchen. Gelingt es nicht, innerärztliche Gräben zu schließen und gemeinsam die (fach-)übergreifenden Anliegen zu verfechten, treten die Kassenärzte weiter auf der Stelle.
Eisenach im Vorfeld des 100. Deutschen Ärztetages kann der Wendepunkt sein - und der Wind steht günstig. Josef Maus
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