ArchivDeutsches Ärzteblatt16/20093 Fragen an … Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

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3 Fragen an … Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

Dtsch Arztebl 2009; 106(16): A-744 / B-634 / C-618

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DÄ: Was nützen Hausarztverträge Ärzten und Patienten? Bei einer KBV-Umfrage im vergangenen Jahr erklärten immerhin 75 Prozent der teilnehmenden Patienten, ihre Behandlung habe sich nicht verändert.
Müller: Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass die Hausärzte ihre Patienten immer schon gut behandelt haben. Die medizinische Qualität stimmt. Bei den Hausarztverträgen geht es in erster Linie um strukturelle Fragen: um Behandlungspfade und um die Schnittstellen zwischen Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus. Mit dem Hausarzt als Lotsen, der die Patienten durch den Dschungel des Gesundheitswesens führt, können hier positive Effekte erzielt werden. Immerhin hat unsere Befragung auch ergeben, dass 56 Prozent der Menschen sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten wünschen.

DÄ: Wann sind Selektivverträge sinnvoll? Und wie kann eine Beteiligung der KVen aussehen?
Müller: Selektivverträge sind dann sinnvoll, wenn man neue Behandlungspfade zum Beispiel für bestimmte Indikationen erproben will. Sind sie erfolgreich, sollten sie in die Regelversorgung überführt werden. Die KBV hat in ihrer Vertragswerkstatt Modelle entwickelt und inzwischen zwei Hausarztverträge und einen zur integrierten Versorgung bei ADHS geschlossen. Würde man die KVen als Partner oder Dienstleister in die Selektivverträge einbeziehen, könnte sich deren Abwicklung zum Beispiel bei der Abrechnung enorm vereinfachen.

DÄ: Viele Hausärzte versprechen sich von den Hausarztverträgen nach § 73 b einen Ausweg aus der Honorarmisere und dem Bürokratiewust. Warum ist dieser Weg aus Ihrer Sicht dennoch gefährlich?
Müller: Zum einen droht ein Flickenteppich an Verträgen, der die Kosten und die Bürokratie für die Ärzte sogar noch erhöht. Zum anderen sollten sich die Kollegen fragen, ob sie wirklich wollen, dass der Sicherstellungsauftrag an die Kassen übergeht. Die entscheiden dann nämlich, wer noch an der kassenärztlichen Versorgung teilnehmen darf und wer nicht. Wir, die KVen und die KBV, müssen dafür sorgen, dass die Ärzte den Kollektivvertrag wieder als Chance mit erheblichem Entwicklungspotenzial sehen, insbesondere vor dem Hintergrund der Verlagerung der Morbidität auf die Krankenkassen.
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