ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1997Forschung – Ausweg: Geldwerte Beteiligung der Gutachter

SPEKTRUM: Leserbriefe

Forschung – Ausweg: Geldwerte Beteiligung der Gutachter

Bauer

Zu dem Kongreßbericht der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie "Die klinische Forschung ist in Deutschland defizitär" von Dr. med. Vera Zylka-Menhorn in Heft 16/1997
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LNSLNS Die klinische Forschung in Deutschland ist aus zwei Gründen defizitär:
Das Ideenpotential und die Phantasie der jungen Kollegen werden systematisch gebremst, weil unerwünscht. Ideen, innovatives Denken, phantasiebegabte Problemlösung sind suspekt - nicht weil sie den Fortschritt ermöglichen, sondern weil sie die bestehenden Machtverteilungen und Machtstrukturen gefährden. Es könnte ja sein, daß der eine oder andere Protegé einem brillanten Noname weichen müßte. Wo kämen wir denn da hin! "Was wird aus unseren Kindern?" jammerten hochrangige Vertreter unserer oligarchischen Elite bei einem hochkarätigen Treffen.
Die Grundmaxime eines jeden Assistenten an einer Uniklinik muß lauten: Nur nicht auffallen! Wer zu früh zuviel Ingeniosität zeigt, macht sich verdächtig und wird von der Meute unter dem wohlwollenden Blick des Chefs fertiggemacht.
Zu rügen ist auch die Innovationsfeindlichkeit der Gremien und Gutachter. Im Prinzip kann gesagt werden, daß nur diejenigen Forschungsanträge Aussicht auf Erfolg haben, die Bekanntes unter verändertem Vorzeichen wiederkauen. Bei neuen Ideen ist dem Gutachter das Risiko zu hoch. Er ist nicht bereit, mit seinem Namen einen möglichen Flop zu decken. Das sicherste für ihn, den Gutachter, ist, ein abschätzbares Risiko einzugehen. Daß man aber mit Erforschen von Altbekanntem nichts Neues finden kann, das ist eine Gesetzmäßigkeit, die in der Renaissance bekannt war, in der heutigen neokartesischen Zeit offensichtlich vergessen worden ist.
Der einzige Ausweg aus diesem selbst auferlegten Dilemma ist die geldwerte Beteiligung der genehmigenden Gutachter an den eventuellen Erfolgen der Vorhaben und auf der anderen Seite das sogenannte Sciencebroking. Nur Geld ist in der Lage, verkrustete hierarchische Systeme, Protektionismus und Nepotismus in der klinischen Forschung Deutschlands zu durchbrechen.
Prof. Dr. Dr. med. Bauer, Freischützstraße 55, 81927 München
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