ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2009IQWiG bewertet Nutzen ein- und zweifacher Plättchenhemmung

AKTUELL

IQWiG bewertet Nutzen ein- und zweifacher Plättchenhemmung

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Kombination von Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel senkt bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (AKS) das Risiko für einen Herzinfarkt, und zwar vor allem, wenn die Medikamente beim stationären Aufenthalt und in der Frühphase gegeben werden. So hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im März abschließend die Studiendaten zu der Frage bewertet, ob eine duale Plättchenhemmung gegenüber einer Monotherapie mit ASS für Patienten mit AKS einen relevanten Nutzen bringt. Clopidogrel ist in Kombination mit ASS zugelassen für die Behandlung von Patienten mit AKS.

Von diesen hat ein Teil einen Herzinfarkt, der im EKG zu einer Hebung der Herzstromkurve zwischen den Punkten S und T führt (STEMI), zum anderen sind es Patienten ohne ST-Streckenhebung, also mit instabiler Angina pectoris und mit Nicht-STEMI-Myokardinfarkten. Vier Studien hat das IQWiG zur Therapie von STEMI-Patienten berücksichtigt, mit dem „eindeutigen Ergebnis“: Das Reinfarktrisiko sinkt stärker, wenn während des Klinikaufenthalts zusätzlich zu ASS Clopidogrel gegeben wird; auch das Schlaganfallrisiko und die Gesamtsterblichkeit würden günstig beeinflusst. Dass die duale Therapie auch nach der stationären Behandlung für die Patienten Vorteil bringe, sei aber nicht belegt. So gebe es unter Clopidogrel häufiger Blutungen als bei ASS alleine, auch wenn diese in der Regel nicht gravierend seien.

Von den Studien zur Behandlung von AKS-Patienten ohne ST-Streckenhebung wurde nur eine vom IQWiG berücksichtigt. Sie belege einen Nutzen der Kombinationstherapie in Bezug auf die Reduktion der Herzinfarktrate für einen Therapiezeitraum von bis zu zwölf Monaten, für das Schlaganfallrisiko und die kardiovaskuläre Mortalität gelte diese Aussage jedoch nicht. Unklar bleibe, so das IQWiG, wie lange nach dem Klinikaufenthalt eine Kombinationstherapie sinnvoll sei, da ab Tag 90 die Zahl der Blutungskomplikationen die Zahl verhinderter kardiovaskulärer Ereignisse übersteige. Ein Vorteil bestehe vor allem in der Frühphase der Behandlung, nämlich bis zum Tag 90.

„Das IQWiG kommt in mehreren Punkten, darunter die Frage nach einer sinnnvollen Therapiedauer, zu anderen Schlussfolgerungen, als sie sich in nationalen und internationalen Leitlinien finden“, sagte der Kardiologe Prof. Dr. med. Christian Hamm (Kerckhoff-Klinik, Bad Nauheim) dem Deutschen Ärzteblatt. Er rate, den aktuellen Empfehlungen der deutschen und europäischen Fachgesellschaften zu folgen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote