ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2009Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: Wie beurteilt man den Therapieerfolg?

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Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: Wie beurteilt man den Therapieerfolg?

Reisdorf, Simone

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LNSLNS Die COPD hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen, für deren Beurteilung nur wenige Instrumente zur Verfügung stehen.

Welche Parameter helfen bei der Verlaufskontrolle der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)? Welche Endpunkte bilden Krankheitslast und Mortalitätsrisiko von COPD-Patienten in Studien am besten ab? Prof. Dr. med. Claus Vogelmeier (Marburg) nahm beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pulmonologie in Mannheim bisherige Studienparameter unter die Lupe und fasste ihre Vor- und Nachteile wie folgt zusammen:
- Die üblichen Analysen der Lebensqualität sind nur für Gruppen geeignet. Und sie korrelieren erst bei Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien (FEV1 < 50 Prozent) mit der Lungenfunktion.
- Der Sechs-Minuten-Gehtest als Parameter für die Belastbarkeit ist gut untersucht, aber recht aufwendig, weil dafür ein 40 Meter langer Gang benötigt wird. „Multisensor-Armbänder könnten die Messung der Belastbarkeit künftig erleichtern und die ,Langzeit-EKGs der Pneumologie‘ werden“, so der Experte.
- Für Dyspnoe dagegen gibt es kein validiertes Messinstrument, die amerikanische Food and Drug Administration erkennt diesen Endpunkt überhaupt nicht an.
- Die Bestimmung von Überblähung oder Diffusionskapazität und die Emphysemquantifizierung sind aufwendige, meist vom Facharzt durchzuführende Untersuchungen. Es liegen bisher wenige (Langzeit-) Daten dazu vor.
- Exazerbationen sind immerhin bei verschiedenen Patientenpopulationen feststellbar und bilden den ärztlichen Aufwand ab. Andererseits sind sie nicht klar definiert. „Außerdem bekommen die meisten Patienten erfreulicherweise nur recht selten Exazerbationen“, erinnerte Vogelmeier.
Bestätigt wurde dies von Prof. Dr. med. Tobias Welte (Hannover): „In den letzten acht Jahren hat sich die Häufigkeit von Exazerbationen bei den COPD-Patienten in Studien gedrittelt – und zwar nicht nur in den Verum-, sondern auch in den Placebogruppen.“ So hätten etwa in der TORCH*-Studie die mit dem lang wirksamen Betamimetikum Salmeterol und dem Kortikosteroid Fluticason (Viani®) behandelten Patienten 0,85 Exazerbationen pro Patientenjahr erlebt. Bei den Placebo-Patienten seien es durchschnittlich 1,13 Exazerbationen gewesen. Welte führte den allgemeinen Trend zu weniger Exazerbationen auf die multimodale Behandlung der COPD-Patienten zurück.

Artifizielles Atemmanöver
Am ehesten als Studienendpunkt geeignet sei nach Worten von Vogelmeier die bewährte „Einsekundenluft“, das forcierte exspiratorische Volumen (FEV1): „Dafür liegen ausreichend Langzeitdaten vor, und sie korreliert gut mit der Mortalität.“ Einziger Nachteil: „Die Patienten müssen dafür ein artifizielles, fast nur hier benötigtes Atemmanöver ausführen.“

FEV1 wird neuerdings auch in zusammengesetzte Scores einbezogen, etwa „BODE“ (Body-Mass-Index, Obstruktion laut FEV1, Dyspnoe, Exercise Capacity laut Sechs-Minuten-Gehtest). „Dieser Score korreliert gut mit dem Mortalitätsrisiko der Patienten“, lobte Vogelmeier. Wenn dies immer noch zu aufwendig sei, könne man den Gehtest weglassen; diese Kurzform des kombinierten Endpunkts heiße folgerichtig nur „BOD“.

„Die Patienten in der täglichen Praxis stellen den Arzt noch vor zusätzliche Herausforderungen“, bemerkte Dr. med. Thomas Voshaar (Moers), weil sie an unterschiedlichen Begleit- und Folgeerkrankungen wie Pneumonie, koronare Herzerkrankung, Cor pulmonale, Osteoporose, Angsterkrankungen und Depressionen leiden. „Die allerwenigsten Patienten aus Praxis und Klinikambulanz kommen überhaupt als Studienteilnehmer infrage“, brachte Voshaar das Problem auf den Punkt. Er kritisierte deshalb die Suche nach dem ultimativen Parameter für Studien oder für die alltägliche Verlaufskontrolle als unrealistisch.

COPD-Assessment-Test wird entwickelt
Dr. med. Peter Kardos (Frankfurt/ Main) betonte die Notwendigkeit einer schnellen Entscheidungshilfe für den Arzt. Mit dem Fragebogen CAT (COPD-Assessment-Test) soll künftig ein derartiges Instrument zur Verfügung stehen. Der COPD-Patient beschreibt dabei selbst mit Kreuzen sein Befinden. Das Ergebnis soll dem Arzt auf einen Blick zeigen, ob sich der Kranke in einem stabilen (optimalen oder suboptimalen) oder in einem exazerbierten Zustand befindet.

Derzeit werden aus 25 bis 30 möglichen Fragen für CAT fünf bis sechs besonders aussagekräftige und praxisrelevante Items ausgewählt. „Diese sollen dann in großen Studien mitlaufen und validiert werden“, kündigte Kardos an. Trotz dieses aufwendigen Procederes soll der Fragebogen schon im Herbst 2009 zur Verfügung stehen. Eine deutsche Version wird Ende des Jahres folgen. n
Simone Reisdorf

Veranstaltung: Symposium „Die Kunst, den Erfolg einer COPD-Therapie einzuschätzen“ in Mannheim im Rahmen des 50. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Mannheim, Veranstalter: GlaxoSmithKline
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