ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2009Selbstauskunft gegenüber der Bank: Ein Missverständnis mit Folgen

BERUF

Selbstauskunft gegenüber der Bank: Ein Missverständnis mit Folgen

Vetter, Michael

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LNSLNS Kreditformulare der Bankinstitute sollten sorgfältig vervollständigt werden. Ansonsten droht Ungemach, wie das Beispiel eines sorglosen Arztes zeigt.

Reinhard K. versteht die Welt nicht mehr: Trotz langjähriger und meist angenehmer Geschäftsverbindung mit seiner Hausbank wird ihm überraschend die „Kündigung seines Überziehungskredits auf dem Praxiskonto mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen“ angedroht. So steht es in einem Schreiben von seinem Kreditgeber. Zur Begründung wird ausgeführt, dass K. „aufgrund irreführender und im Ergebnis falscher Angaben“ auf Bankformularen bankintern für „erhebliche Irritationen“ gesorgt habe.

Nachlässigkeiten können teuer werden
Bei den erwähnten Bankformularen handelt es sich – dies hat K. inzwischen in Erfahrung bringen können – um die „Selbstauskünfte“, die ihm von seiner Bank einmal im Jahr ausgehändigt werden und die er jeweils vervollständigt. Dabei geht es im Wesentlichen um eine aktuelle Darstellung sowohl seines Vermögens und seiner Schulden als auch seiner Einnahmen und seiner Ausgaben. In seiner Erinnerung hatte er sich stets bemüht, die geforderten Informationen vollständig zu übermitteln. In einem in der Zwischenzeit erfolgten Gespräch mit seinem Steuerberater musste K. allerdings einräumen, dass er in den vergangenen Jahren – der Bequemlichkeit wegen – mehr oder weniger die Zahlen aus den Vorjahren fortgeschrieben hat. Ein sorgfältiges Auseinandersetzen mit den konkreten Anforderungen an das Zahlenmaterial, die aus dem Formular deutlich hervorgehen, gab es bei K. bisher so gut wie nicht.

Diese offensichtliche Nachlässigkeit kann K. teuer zu stehen kommen. Immerhin hat sein Steuerberater den Grund für die deutliche Reaktion der Bank nun herausgefunden. Konkret geht es nicht um das erwähnte Fortschreiben der Vorjahreszahlen, sondern um einen Privatkredit, den K. bei einer Direktbank vor rund drei Jahren aufgenommen hat. Diesen Privatkredit, für den er noch vier Jahre monatliche Raten von fast 400 Euro aufbringen muss, hatte er nur im ersten Jahr in der Selbstauskunft aufgeführt. In den beiden folgenden Jahren nicht mehr. Der Arzt ist nach wie vor der Meinung, dass diese private Verbindlichkeit nichts mit seiner Praxis zu tun hat. Allerdings hielt er es nicht für erforderlich, darüber mit seinem für ihn zuständigen Bankmitarbeiter zu reden. Da dieser sich ebenfalls nicht meldete, war für K. die Angelegenheit also nicht der Rede wert und somit erledigt.

Wie K. nun mitgeteilt wurde, hat dieser Bankmitarbeiter, der das Kreditengagement von K. immerhin mehr als acht Jahre betreute, zwischenzeitlich eine andere Aufgabe übernommen. Dem Nachfolger ist bei der Einarbeitung in die Kreditakte von K. aufgefallen, dass die Selbstauskünfte der letzten drei Jahre widersprüchliche Angaben enthalten. Warum trotz der langjährigen Geschäftsverbindung nun sofort mit einer Kreditkündigung gedroht wird, kann K. aber immer noch nicht nachvollziehen. Er hat deshalb ein Gespräch mit seinem neuen Kundenberater vereinbart, das kurzfristig stattfinden soll.

K. sollte sich auf dieses Gespräch sorgfältig vorbereiten. So ungeschickt die Vorgehensweise des Bankmitarbeiters vor dem Hintergrund der bewährten Bankverbindung auch gewesen sein mag, in der Sache ist sie nachvollziehbar. Selbstauskünfte dokumentieren nicht zuletzt das gegenseitige Vertrauen zwischen Arzt und Kreditnehmer. Das Bankinstitut sollte sich daher auf die dort angeführten Zahlen verlassen können. Immerhin lassen sie unter anderem wertvolle Rückschlüsse auf die Kapitaldienstfähigkeit des Arztes als wesentlichen Maßstab seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zu. Es ist wegen der Bedeutung dieser Zahlen daher durchaus üblich, die Kundendaten der Selbstauskunft mit den Informationen einer Schufa- oder Wirtschaftsauskunft abzugleichen. Im beschriebenen Fall liegt die Vermutung nahe, dass der Privatkredit in der aktuellen Schufaauskunft nach wie vor vermerkt ist, während die Selbstauskunft diese Informationen wie erwähnt nur im Jahr der Kreditaufnahme enthielt. Je nach Einschätzung des zuständigen Bankmitarbeiters kann es sich bei solchen Informationsdefiziten, wie das Beispiel zeigt, also durchaus um ein ernst zu nehmendes Problem handeln.

Kreditkrise erfordert einen offenen Umgang miteinander
Hinzu kommt, dass sich das Geschäftsklima zwischen mancher Bank und ihren Kunden wegen der weltweiten Kreditkrise zu verändern droht. Hier sollte von beiden Seiten frühzeitig mit offenen Karten gespielt werden. Da die grundsätzliche Problematik ohnehin nicht mehr zu leugnen ist, sollten Banken und Arzt die gegenseitigen Ansprüche an eine auch weiterhin möglichst vertrauensvolle Zusammenarbeit formulieren. Der dargestellte Fall ist leider kein Paradebeispiel für eine solche Zusammenarbeit. Hier haben beide Vertragspartner, allerdings vor allem verursacht durch K., diesbezüglichen Nachholbedarf. Bankseitig sollte vor allem bei bewährten Verbindungen überlegt werden, zunächst den sprichwörtlich „kurzen Dienstweg“ zu wählen, bevor mit heftigen Konsequenzen gedroht wird.
Michael Vetter
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