SPEKTRUM: Leserbriefe

Börsebius: Zu dumm?

Brender, Markus

Zu dem Börsebius-Beitrag in Heft 14/1997: "Die Gier und das Geld"
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LNSLNS Börsebius berichtet über ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofes. Danach ist eine Bank, die ihren unerfahrenen Kunden dazu verleitet, in Aktien auf Kredit zu spekulieren, zum Ersatz des durch die Spekulation entstehenden Schadens verpflichtet. Die geschilderten Umstände des konkreten Falles legen allerdings nahe, daß sich das Risiko der kreditfinanzierten Wertpapiergeschäfte dem Kunden hätte aufdrängen müssen. Am Ende seines Beitrages fragt Börsebius daher, wie dumm man als Anleger eigentlich sein dürfe.
Als Rechtsanwalt mit einem Tätigkeitsschwerpunkt auf Rechtsfragen des Kapitalanlagerechtes möchte ich Börsebius wie folgt antworten:
Der Anleger darf im Prinzip so dumm sein, wie er will. Wichtig ist, daß die Bank einen sogenannten anleger- und objektgerechten Rat erteilt. Anlegergerecht bedeutet, daß der Rat der jeweiligen Aufklärungsbedürftigkeit des Kunden dessen Anlageziel wie aber auch dessen Vermögenssituation entsprechen muß. Objektgerecht bedeutet, daß die Beratung hinsichtlich des in Aussicht genommenen Anlageobjektes richtig, vollständig und verständlich sein muß, und zwar sowohl hinsichtlich allgemeiner Risiken (etwa: Konjunktur- und Marktlage) als auch besonderer Risiken (etwa: Kurs-, Zins- und Währungsrisiko). Im Falle der Kreditfinanzierung muß die Bank normalerweise zwar nicht über Risiken der Kreditverwendung aufklären. Dies gilt jedoch dann nicht, wenn wie in dem von Börsebius geschilderten Fall ein unerfahrener Anleger zur Spekulation auf Kredit verleitet wird.
Dr. jur. Markus Brender, Liebfrauenberg 39, 60313 Frankfurt am Main
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