MEDIZIN: Diskussion

Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin-B12-Mangel: Parenterale Substitution

Causes and Early Diagnosis of Vitamin B12 Deficiency: Parenteral Substitution

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(17): 290; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0290b

Wohlenberg, Holmer

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Zur Behandlung des Vitamin-B12-Mangels möchte ich anmerken, dass erst dann klinische Ausfallserscheinungen auftreten, wenn die Körperreserven von etwa 5 mg, die vorwiegend als Hydroxy-Cobalamin in der Leber gespeichert sind, auf 5 bis 10 % reduziert sind. Die Behandlung muss erreichen, dieses Defizit voll auszugleichen. Leider sind in fast allen deutschen und englischsprachigen Lehrbüchern die empfohlenen B12-Gaben unterdosiert.

Bei Erkrankungen, bei denen die B12-Absorption im Magen-Darm-Trakt irreversibel gestört ist, wie zum Beispiel bei der chronisch atrophischen Gastritis vom Perniziosatyp, Gastrektomie und Dünndarmresektion des terminalen Ileums, ist eine parenterale B12-Substitution zwingend erforderlich (1). Für die Wahl der verfügbaren Medikation ist es wichtig, zu wissen, dass Cyanocobalamin im Körper viel schlechter retiniert wird, als die physiologische Depotform Hydroxy-Cobalamin (2). Deshalb ist bei der Behandlung aus meiner Sicht dem Hydroxy-Cobalamin der Vorzug zu geben. Denn wenn B12-Körperreserven erst einmal erschöpft sind, kommt es zur Prophylaxe von Ausfallserscheinungen darauf an, die defizitären Körperdepots so rasch wie möglich vollständig wieder aufzufüllen. Aufgrund pharmakokinetischer Befunde (2) haben wir mit folgendem pragmatischen Vorgehen gute Erfahrungen gemacht: Man verabreicht 500 mg Hydroxy-Cobalamin i.m. (davon werden bei einer Retentionsquote von 45 Prozent 226 mg retiniert – für Cyanocobalamin liegt die Retentionsquote nur bei 16 Prozent!) an fünf Tagen der Woche gut vier Wochen lang (insgesamt 22 Injektionen). Damit sind die Gesamtkörperdepots vollständig wieder aufgefüllt. Um den täglichen Verbrauch von etwa 2,5 mg auszugleichen, sind als Erhaltungstherapie 500 mg Hydroxy-Cobalamin i.m. alle drei Monate (das heißt viermal jährlich lebenslang) erforderlich.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0290b


Dr. med. Holmer Wohlenberg
Pfitznerstraße 1
65193 Wiesbaden
1.
Drings P, Fölsch E, Fritsch H, Wohlenberg H: Hämatologische Krankheiten. In: Schettler G (Hrsg.) Innere Medizin. BD. II, 7. Auflage. Stuttgart:Thieme-Verlag 1987; 91
2.
Heinrich HC: Metabolic basis of the diagnosis and therapy of vitamin B12-deficiency. Sem Haematol 1964; 1: 199. MEDLINE
3.
Herrmann W, Obeid R: Causes and early diagnosis of Vitamin B12 deficiency [Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin B12-Mangel]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(40): 680–5. VOLLTEXT
1. Drings P, Fölsch E, Fritsch H, Wohlenberg H: Hämatologische Krankheiten. In: Schettler G (Hrsg.) Innere Medizin. BD. II, 7. Auflage. Stuttgart:Thieme-Verlag 1987; 91
2. Heinrich HC: Metabolic basis of the diagnosis and therapy of vitamin B12-deficiency. Sem Haematol 1964; 1: 199. MEDLINE
3. Herrmann W, Obeid R: Causes and early diagnosis of Vitamin B12 deficiency [Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin B12-Mangel]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(40): 680–5. VOLLTEXT

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