ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2009Verbundforschung: Wie geht es weiter nach der Förderphase?

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Verbundforschung: Wie geht es weiter nach der Förderphase?

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die Verstetigung der Projekte ist für die medizinischen Kompetenznetze und andere Verbundprojekte eine große Herausforderung.

Verbundforschung biete für Universitäten viele Chancen, so etwa die Internationalisierung des Standorts, betonte Prof. Dr. med. Ulf Eysel, Universität Bochum, bei einem Kongress für die medizinische Verbundforschung in Bochum.* Dennoch dürfe man sich bei der Beantragung von Verbundprojekten nicht „verbiegen“: „Der Forscher muss mit dem Projekt harmonieren, ebenso wie das Projekt mit dem Standort.“ Finanzforderungen und Personalfragen müssten frühzeitig mit der Hochschulleitung geklärt sein. Eysel forderte unter anderem mehr Flexibilität bei der Verwaltung der Mittel und eine Aufhebung der „Jährlichkeit der Mittelvergabe“. Im Hinblick auf die Verstetigung der Projekte steht außerdem ein stärkeres finanzielles Engagement der Länder auf der Wunschliste. „Im Projekt können wertvolle Strukturen entstehen, wie zum Beispiel eine Datenbank. Wer kommt hierfür nach Beendigung des Projekts auf?“, fragte Eysel. Wichtig sei außerdem eine stärkere Vernetzung der staatlichen Förderer, etwa von Bundesforschungs- und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, ebenso wie eine internationale Vernetzung der Förderer im Hinblick auf die Grundlagenforschung.

Leitfaden für Verbünde
Viele der Ende der 90er-Jahre gestarteten medizinischen Kompetenznetze befinden sich in derzeit der letzten Förderphase und müssen daher darüber nachdenken, wie es anschließend weitergehen soll. Klaus Fitzke vom Kompetenznetz Darm­er­krank­ungen, berichtete über die Arbeiten an einem Leitfaden, der jungen Forschungsverbünden helfen soll, eine langfristige Planung und nachhaltige Infrastruktur aufzubauen, die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen gleichermaßen gerecht werden. Wichtige Erfolgsfaktoren sind nach Fitzke eine eigene Geschäftsstelle für die Koordination des Projekts sowie die Wahl einer unabhängigen Rechtsform etwa als Stiftung oder Verein, die die Selbstständigkeit und Selbstorganisation sichert. Außerdem müsse eine Fachberatung zu Themen wie Rechtsform, Fundraising und Organisationsentwicklung eingekauft werden, wenn langfristige Strukturen entstehen sollten, sagte Fitzke.

Output versus Langfristigkeit
Dr. Wolfgang Rohe von der Stiftung Mercator wies darauf hin, dass die Rolle der Universitäten im Hinblick auf die Verstetigung von Forschungsprojekten eher problematisch zu sehen sei. Die Universitäten müssten offen bleiben für den Wandel. Das „outputorientierte“ Forschungs- und Lehrprimat könne in Widerspruch geraten zu der Kontinuität von Datenerhebungen, wie sie in manchen Projekten erforderlich sei. Die Langfristigkeit könne die Gesamtbilanz des Forschungsoutputs unattraktiv machen und sei daher karrierestrategisch für Nachwuchsforscher riskant. Methodische Ansätze in langfristig angelegten Projekten könnten zudem veralten, trotzdem werde wegen der Kohärenz des Gesamtprojekts zuweilen daran festgehalten. Außeruniversitäre Einrichtungen wie die Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft oder die Leibniz-Institute seien daher für langfristige Vorhaben eher prädestiniert.
Heike E. Krüger-Brand


*veranstaltet vom TMF – Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e.V., Berlin (www.tmf-ev.de)
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