ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2009Randnotiz: Ehrenamt in der Krise

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Randnotiz: Ehrenamt in der Krise

Rieser, Sabine

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LNSLNS „Krise ist ein produktiver Zustand, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“, hat der Schweizer Schriftsteller Max Frisch einmal geschrieben. Manchen, die derzeit um Arbeit und Zukunft fürchten, mag der Satz zynisch erscheinen. Trotzdem ist er richtig.

Unfreiwillige freie Zeit kann man zum Beispiel freiwillig sinnvoll nutzen. Eine Anregung dafür gab kürzlich Prof. Dr. Franco Rest, der seit Langem zu Sterbebegleitung, Hospizarbeit und „Anti-Euthanasie“ forscht. Bei einer Tagung von Bündnis 90/DieGrünen zu „Leben am Lebensende“ wies er darauf hin, dass man mit einem Engagement in der Sterbebegleitung nicht bis zur Rente warten müsse.

Rest berichtete von einer Infoveranstaltung für Schüler „Begleiten kannst auch du!“. Oder von einer Kampagne „Wir schenken uns nichts, wir schenken uns Zeit“. Da hatte beispielsweise ein studierender Nachtmensch angeboten, sich ein paar Mal nach Mitternacht an ein Krankenbett zu setzen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Rest tritt dafür ein, dass ehrenamtliche Sterbebegleiter finanziell unterstützt werden, zum Beispiel durch Steuererleichterungen. Er findet aber auch: „Wir müssen nicht immer sofort nach der Bezahlbarkeit fragen.“ Denn alles, was für eine gute Sterbebegleitung wünschenswert wäre, wird nie bezahlbar sein.

Wer plötzlich in der Krise Zeit habe, aber Angst vor Totkranken, könne trotzdem anfangen zu helfen, betonte Rest: Plakate kleben vielleicht, Telefondienste übernehmen. Leute, die lästige Verwaltungsarbeit übernehmen, sind sicher auch in der Hospizbewegung gern gesehen.
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