ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2009Ganzkörper-Computertomografie bei Schwerverletzten

AKTUELL: Akut

Ganzkörper-Computertomografie bei Schwerverletzten

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Schwerverletzte haben eine signifikant höhere Überlebenschance, wenn sie während der Frühphase der Schockraumversorgung mittels Ganzkörper-Computertomografie (CT) untersucht werden. Eine aktuelle multizentrische Studie der Forschungsgruppe „Polytrauma“ am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) belegt erstmals den positiven Effekt dieser Untersuchungsmethode auf das Überleben. Für die Studie (Lancet online 24. März) wurde das Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ausgewertet.

Es wurden die Daten von 4 621 schwer verletzten Patienten aus Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert. Die Autoren verglichen die tatsächliche und die erwartete Sterblichkeitsrate von schwerstverletzten Patienten mit und ohne CT. 1 494 Patienten (32 Prozent) wurden nach Klinikeinlieferung in der Notaufnahme mittels Ganzkörper-CT untersucht. Durchschnittlich dauert es zwischen fünf und 15 Minuten, ein solches CT durchzuführen. Die risikoadjustierte Mortalitätsanalyse mittels verschiedener präziser Vorhersagemodelle für die Sterblichkeit ergab, dass die tatsächliche Sterblichkeit bei schwerverletzten Patienten mit Ganzkörper-CT signifikant niedriger war als die erwartete, verglichen mit den Patienten, die keine Ganzkörper-CT erhielten.

Enormer Zeitgewinn und rechtzeitige zielgerichtete Therapie
Grundsätzlich, so fanden die Forscher heraus, kommt es zu einer relativen Reduktion der Sterblichkeit von 25 beziehungsweise 13 Prozent, je nachdem, welches Prognosemodell angewendet wird. Als Gründe hierfür werden der enorme Zeitgewinn sowie die frühe und zielgerichtete Therapie in Kenntnis des kompletten Verletzungsmusters des Patienten gesehen. Für die beteiligten Wissenschaftler ergeben sich daraus interessante Hinweise auf die Erstversorgung und Ansatzpunkte für die Anforderungen an Kliniken.

„Bereits heute“, sagt Dr. med. Stefan Huber-Wagner (Chirurgische Klinik, Campus Innenstadt der LMU), „wird im Rahmen der durch DGU initiierten Traumanetzwerkbildung für die Zertifizierung einer Klinik als überregionales beziehungsweise regionales Traumazentrum die 24-Stunden-Verfügbarkeit einer Ganzkörper-Computertomografie in Schockraumnähe gefordert. Der Trend wird sicherlich dahin gehen, leistungsstarke Geräte baulich in den Schockraum zu integrieren. Somit können Verzögerungen durch lange innerklinische Transportwege reduziert werden.“ Rüdiger Meyer
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