ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2009Rifaximin: Ein darmselektives Breitbandantibiotikum

PHARMA

Rifaximin: Ein darmselektives Breitbandantibiotikum

Weiß, Maria

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LNSLNS Der Wirkstoff, der nur minimal resorbiert wird, ist bisher nur für die Behandlung des Reisedurchfalls zugelassen.

Die bisher bei der Therapie von Darmkrankheiten eingesetzten Antibiotika wie Neomycin haben den Nachteil, dass sie nur Teile des für die Infektion bedeutenden Keimspektrums abdecken. Zudem gingen sie bei nicht intakter Schleimhaut in relevanten Mengen in den systemischen Kreislauf über, erklärte Prof. Dr. Karl-Uwe Peterson (Aachen). Rifaximin (Xifaxan®) – eine Abwandlung des Rifampicin-Moleküls – sei dagegen auch bei lädierter Schleimhaut so gut wie unresorbierbar, sagte der Pharmakologe in Berlin.

Auch bei Anwendung modernster Methoden sind nur minimale Konzentrationen im Plasma nachweisbar. Neben dem Ausbleiben systemischer Nebenwirkungen hat die fehlende Resorption den Vorteil, dass hohe Konzentrationen im Darm erreicht werden, die die minimale Hemmkonzentration der empfindlichen Erreger um ein Vielfaches übersteigen. Wirksam ist das Antibiotikum gegen alle für Darminfekte relevanten Keime einschließlich Chlostridium difficile und enteroaggregative E. coli.
Resistente Stämme seien zwar beobachtet worden, seien aber wegen des fehlenden Selektionsvorteils schon wenige Wochen nach Therapieende nicht mehr nachweisbar, so Peterson. Auch die Beeinflussung der physiologischen Darmflora normalisiert sich ein bis zwei Wochen nach der Anwendung wieder.

Zugelassen ist das in zahlreichen Ländern seit Jahrzehnten eingesetzte Antibiotikum in Deutschland bisher nur für die Behandlung des Reisedurchfalls. Hier habe es sich bei besserer Verträglichkeit sowohl in der Prophylaxe als auch in der Therapie als ebenso wirksam wie Ciprofloxacin erwiesen, berichtete Dr. Viola Andresen (Hamburg). Als weitere mögliche Einsatzgebiete mit ersten positiven Studiendaten nannte die Gastroenterologin die antibiotikaassoziierte Diarrhö durch Chlostridium difficile, Intervallbehandlung der chronischen Divertikelkrankheit, bakterielle Fehlbesiedlung des Darms und hepatische Enzephalopathie. Auch bei chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen und Reizdarm sind positive Effekte denkbar, was aber noch in entsprechenden Studien belegt werden müsste.
Maria Weiß

Pressekonferenz „Neu! Erstes Breitbandantibiotikum mit darmselektiver Wirkung“ bei der Jahrestagung der DGVS in Berlin (unterstützt von Norgine)
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