ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2009Praxisführung: Ist der Lieferantenkredit tatsächlich kostenfrei?

WIRTSCHAFT

Praxisführung: Ist der Lieferantenkredit tatsächlich kostenfrei?

Dtsch Arztebl 2009; 106(17): A-836 / B-711 / C-692

Bandering, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Für Ärzte, die eine Neuanschaffung per Kredit finanzieren, rechnet es sich, innerhalb der Skontofrist zu bezahlen, anstatt den Lieferantenkredit auszuschöpfen.

Beabsichtigt eine Ärztin oder ein Arzt die Anschaffung eines wertvollen medizinischen, das heißt teuren Geräts ohne ausreichendes Eigenkapital, bietet sich das Leasing als denkbare Lösung an; es schont während der Vertragslaufzeit liquide Mittel, erweist sich aber insgesamt als nicht gerade preiswert. Viele Anbieter oder Hersteller bieten auch „Zahlungserleichterungen“ beim Kauf an, die auch ihren Preis haben – ob sichtbar oder unsichtbar. Gleichzeitig aber verbaut sich der Praxisinhaber meist möglichen Verhandlungsspielraum für Preiszugeständnisse.

Schließlich bleibt die Finanzierung durch ein Bankdarlehen, was meist einen Eigenkapitaleinschuss von zehn bis 25 Prozent des Kaufpreises voraussetzt. Das laufend zu tilgende Darlehen ist in einem unter der betriebsgewöhnlichen Nutzungszeitraum liegenden Zeit (in der Regel binnen maximal vier Jahren) zurückzuführen. Doch auch dann fragt es sich noch: Soll man zur Kreditzinsersparnis vorab den kostenfreien Lieferantenkredit beanspruchen, der in der Regel bei 30 Tagen ab Lieferung liegt? Oder bereits innerhalb der Skontofrist bankkreditwirksam zahlen, um den dann üblichen Skontonutzen (meist drei Prozent des Kaufpreises bei Zahlung binnen acht oder zehn Tagen) einzustreichen?

So drängt sich ein Vergleich auf: einerseits drei Prozent Skontonutzen, andererseits ein Bankzinssatz, der das Drei- bis Vierfache von den genannten drei Prozent beträgt. Damit ist die Entscheidung häufig bereits gefallen. Aber dieser so eingängig erscheinende Vergleich – drei Prozent Skontonutzen zu drei- bis vierfacher Bankzinssatz – erweist sich bei näherer Betrachtung rasch als unzulässig: Bezieht sich doch der Bankzins auf ein ganzes Jahr, der Verzicht auf den Skontonutzen hingegen auf den Zeitraum zwischen Ende der Skontiermöglichkeit und dem Ablauf einer Lieferantenkreditdauer.

Skontonutzen mit Kredit vergleichen
Die Gewährung von drei Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb von acht Tagen ist eine gängige Zahlungskondition. Diese ist zu vergleichen mit einem kostenfreien Kredit für 22 Tage (30 Tage minus die achttägige Skontofrist). Nun gilt es, den Skontonutzen auf das ganze Jahr umzurechnen, um einen mit dem Bankzins vergleichbaren „Zinssatz“ zu ermitteln. Nach der Formel: Skontosatz mal 100 mal 360 geteilt durch 100 mal (Lieferantenziel in Tagen abzüglich Skontoziel in Tagen). Daraus ergibt sich ein virtueller „Zinssatz“ in Höhe nicht weniger als 49 Prozent pro Jahr. So viel kostet folglich der angeblich kostenfreie Lieferantenkredit in Wirklichkeit. Dabei wurde die Chance eines Preiszugeständnisses noch nicht berücksichtigt, das man einem Abnehmer sicherlich nicht einräumt, der den Lieferantenkredit ausschöpft.

Ein kleiner Pferdefuß sei angesprochen: Erweist sich die gelieferte Ware als mängelbehaftet, hat natürlich der Arzt die besseren Karten, der die Lieferung noch nicht bezahlt hat.

Der Vollständigkeit halber sei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az.: VIII ZR 287/97) hingewiesen. Danach zahlt ein Kunde fristgerecht, wenn er einen Scheck innerhalb des vereinbarten Zeitraums ausstellt und abschickt. Weiter sei auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main (Az.: 24 U 128/99) hingewiesen, das unbefugten Skontoabzug unter gewissen Voraussetzungen legalisierte. Im Streitfall hatte ein Auftraggeber im Rahmen einer Dauergeschäftsbeziehung über 22 Monate hin ohne nachhaltigen Widerspruch alle Rechnungen des Auftraggebers skontiert. Das Gericht wertete den fehlenden konsequenten Widerspruch gegen den selbstherrlichen Skontoabzug als stillschweigende Vereinbarung einer Rechnungsskontierung.
Michael Bandering
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema