ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2009Börsebius: Wundersame Geldvermehrung mit Hindernissen

GELDANLAGE

Börsebius: Wundersame Geldvermehrung mit Hindernissen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Kurse können steigen, Kurse können fallen. Genau diese Normalität an den Börsen übt einerseits einen großen Anreiz auf viele Anleger aus, vor allem Spekulanten nutzen hier mögliche Chancen aus. Die schnelle Mark machen zu können, ist halt verführerisch. Auf der anderen Seite hält natürlich auch die Angst, möglicherweise auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, die eher konservativen Sparer von einem Investment in solch unsichere Märkte ab.

Dieses Dilemma nutzten erst recht Anbieter von Finanzprodukten, die in der Vergangenheit die abstrusesten Angebote unter die Leute bringen konnten, Hauptsache reißerisch und verführerisch aufgemacht.

Das Perpetuum mobile des besonders coolen Investors wäre also dann gefunden, bliebe es völlig ohne Belang, wenn der Anleger immer verdient, egal, ob die Kurse raufgehen oder in den Keller rasseln.

Diesen gewaltigen Anspruch haben exakt sogenannte Twin-Win-Zertifikate suggeriert, also in jeder Marktlage auf der Gewinnerseite zu stehen. Twin-Win-Zertifikate wurden unter anderem vom Bankhaus Sal. Oppenheim und der Landesbank Berlin angeboten, und sie fanden durchaus reißenden Absatz.

Ich will jetzt nicht im Detail auf das komplizierte Innenleben dieser Konstrukte eingehen, nur so weit: Ziel dieser Produkte war es immer, Erträge sowohl bei Kursanstiegen als auch bei Verlusten zu erzielen. Zudem war in der Regel noch ein Hebel eingebaut, mit dem dann von Kurssteigerungen des Basiswerts (DAX, Eurostoxx oder Nikkei) überproportional profitiert werden konnte.

Darüber hinaus war der Anleger erst bei Unterschreiten einer gewissen Schwelle an den Verlusten des zugehörigen Index beteiligt, aber diese Schwelle, so das Credo vieler Berater, werde wohl nach menschlichem Ermessen nie unterschritten.

Genau dieser Fall – das Unterschreiten vorher definierter Indexmarken – ist aber in der Vergangenheit eingetreten, und so haben sich die wundersamen Geldvermehrungsmodelle in Wirklichkeit als böse Fallen entpuppt.

Die meisten Käufer von Twin-Win-Zertifikaten sitzen derzeit auf happigen Verlusten um die 30 Prozent, und sie werden wohl auch darauf sitzen bleiben. Weil an der Börse immer nur eins geht: entweder gewinnen oder verlieren. Immer nur gewinnen ist pure Illusion.
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