ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Therapie depressiver Erkrankungen: Wertigkeit psychotherapeutischer Verfahren in der Depressionsbehandlung
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LNSLNS Der Fortbildungsartikel ist tendenziös in seiner einseitigen Bewertung zugunsten pharmakologischer Antidepressionstherapie und zu Lasten psychotherapeutischer Therapieoptionen. Bereits die postulierte Phaseneinteilung der Therapie impliziert so eine psychopharmakologische Herangehensweise; zitiert wird ein 35 Jahre altes, von der Industrie herausgegebenes Werk. Das im folgenden erwähnte Behandlungssetting beinhaltet zwar eine hausärztliche Basistherapie sowie die „psychiatrische Überweisung“, bis hierher erfolgt keine Erwähnung psychologischer oder ärztlicher Psychotherapeuten oder Psychosomatiker. Im Folgenden wird es dann schwammig, dabei wäre gerade hier ein wie auch immer präferierter Algorhythmus hilfreich: Bei leichten und mittelgradigen depressiven Störungen – das ist die weite Mehrzahl – präferieren die Autoren eine Monotherapie, sei es Pharmakotherapie oder Psychotherapie, differenzialindikatorisch sei Versorgungslage und Patientenpräferenz. Bereits psychosomatisch orientierte Kompendien (1) bieten hier hilfreichere, objektivere Ansätze. Ferner wird der entscheidende Wirkfaktor spezifischer Psychotherapie (und zwar sowohl tiefenpsychologisch orientierter Psychotherapie als auch Verhaltenstherapie), nämlich die therapeutische Beziehung (2) salopp entwertet und in seinem Wesen verkannt, wenn die Autoren das „empathisch verstehende Gespräch“, das sich „Angenommen fühlen“ und die „Entlastung“ als Basis depressiver Behandlung jenseits von spezifischer Psychotherapie postulieren. Jenseits einer kompetenten Fachpsychotherapie sind dies Allgemeinplätze, die wohl jeder Patient wünscht und schätzt.

Ein ehrlicherer Titel der Arbeit hätte sich auf die psychopharmakologische Therapie begrenzt, wie die Autoren das in ihrem „algorhythmusgestützten Stufenplan zur Therapie der Depression“ ja auch tun, da ist Psychotherapie inexistent. Eine zusammenfassende Darstellung von psychotherapeutischen Verfahren bei depressiven Störungen und von ihrer jeweiligen Wertigkeit und Differenzialindikation (wie an zum Teil leider weniger zugänglichen Orten, [3]) wurde leider versäumt. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0319a


PD Dr. med. Volker Waldmann
Belgradstraße 5
80796 München
E-Mail: vwaldmann@web.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Janssen P, Joraschky P, Tress W: Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2006.
2.
Hiller W, Leibing E, Leichsenring F, Sulz S: Lehrbuch der Psychotherapie, München: CIP-Medien 2004.
3.
Faust V: Psychische Störungen heute. Landsberg: Ecomed, ständig aktualisierte Loseblattsammlung 2002.
4.
Bschor T, Adli M: Treatment of depressive disorders. [Therapie depressiver Erkrankungen.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105(45): 782–92.
1. Janssen P, Joraschky P, Tress W: Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2006.
2. Hiller W, Leibing E, Leichsenring F, Sulz S: Lehrbuch der Psychotherapie, München: CIP-Medien 2004.
3. Faust V: Psychische Störungen heute. Landsberg: Ecomed, ständig aktualisierte Loseblattsammlung 2002.
4. Bschor T, Adli M: Treatment of depressive disorders. [Therapie depressiver Erkrankungen.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105(45): 782–92.

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