ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Therapie depressiver Erkrankungen: Stabile Therapieeffekte bei psychodynamischer Therapie
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LNSLNS In ihrem Artikel zitieren die Autoren zwei Artikel von mir (1, 2). Sie schreiben: „In anderen Studien oder Metaanalysen wurden Patienten mit verschiedenen Diagnosen untersucht, sodass spezifische Aussagen zur Wirksamkeit bei depressiven Erkrankungen nur eingeschränkt getroffen werden können…“ Diese Aussage ist in Bezug auf meine beiden Arbeiten nicht korrekt. Es trifft nicht zu, dass in diesen Studien Patienten mit verschiedenen Diagnosen untersucht worden sind. Es handelte sich durchgehend um Patienten mit depressiven Störungen. Ich habe dort eine Reihe von randomisierten kontrollierten Studien angeführt, in denen tiefenpsychologisch fundierte Therapie ebenso wirksam war wie kognitive Verhaltenstherapie. Auch in einer Metaanalyse erwies sich tiefenpsychologisch fundierte Therapie bei depressiven Störungen als ebenso wirksam wie kognitive Verhaltenstherapie (2).

Eine ebenfalls von den Autoren zitierte ältere Metaanalyse beansprucht überhaupt nicht, Aussagen über depressive Störungen zu machen ([e6] im Beitrag). Eine neue Metaanalyse, die im Oktober dieses Jahres in JAMA erschienen ist, kommt zu dem Ergebnis, dass psychodynamische Langzeittherapie bei komplexen Störungen wirksamer ist als kürzere Formen der Psychotherapie (3). Unter „komplexe Störungen“ wurden dabei Patienten mit mehreren psychiatrischen Diagnosen, mit chronischen psychischen Erkrankungen oder mit Persönlichkeitsstörungen gefasst. Ein erheblicher Anteil der Patienten der realen Welt weist ja nicht nur eine, sondern mehrere psychiatrische Diagnosen auf (3). Speziell bei Patienten, die überwiegend komplexe depressive und Angststörungen aufwiesen, erreichte psychodynamische Langzeittherapie große und stabile Therapieeffekte (3).

Es ist schon merkwürdig: Einerseits wird den analytisch begründeten Verfahren immer wieder ein Mangel an Evidenz vorgeworfen. Wird Evidenz geliefert, wird sie jedoch ignoriert. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0321a


Prof. Dipl.-Psych. Dr. rer. nat. Falk Leichsenring
Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie
Universität Gießen
Ludwigstraße 76
35392 Gießen
E-Mail: Falk.Leichsenring@psycho.med.uni-giessen.de.

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Leichsenring F: Comparative effects of short-term psychodynamic psychotherapy and cognitive-behavioral therapy in depression. A meta-analytic approach. Clinical Psychology Review 2001; 21: 401–19.
2.
Leichsenring F: Are psychoanalytic and psychodynamic psychotherapies effective ? A review. International Journal of Psychoanalysis 2005; 86: 841–68.
3.
Leichsenring F, Rabung S: The effectiveness of long-term psychodynamic psychotherapy: a meta-analysis. JAMA 2008; 300: 1551–64.
4.
Bschor T, Adli M: Treatment of depressive disorders. [Therapie depressiver Erkrankungen.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105(45): 782–92.
1. Leichsenring F: Comparative effects of short-term psychodynamic psychotherapy and cognitive-behavioral therapy in depression. A meta-analytic approach. Clinical Psychology Review 2001; 21: 401–19.
2. Leichsenring F: Are psychoanalytic and psychodynamic psychotherapies effective ? A review. International Journal of Psychoanalysis 2005; 86: 841–68.
3. Leichsenring F, Rabung S: The effectiveness of long-term psychodynamic psychotherapy: a meta-analysis. JAMA 2008; 300: 1551–64.
4. Bschor T, Adli M: Treatment of depressive disorders. [Therapie depressiver Erkrankungen.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105(45): 782–92.

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