ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Therapie depressiver Erkrankungen: Opipramol als Nachtmedikation
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LNSLNS Die Fortbildungsübersicht richtete sich in erster Linie an Haus- und Allgemeinärzte. Als niedergelassener Facharzt mit langer Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den zuweisenden Kollegen möchte ich auf eine in der hausärztlichen Praxis bewährte initiale Behandlungsmaßnahme hinweisen.

Unerwähnt blieb die Verordnung des sedierend wirkenden trizyklischen Antidepressivums Opipramol, insbesondere als Nachtmedikation.

Mit ihm lässt sich auch noch heute und oft schon in niedriger Dosis das als besonders quälend empfundene Kernsymptom der meisten Depressionen, die Durchschlafstörung mit dem Früherwachen, nebenwirkungsarm behandeln. Als „trizyklische Option“ sollte auch das beiläufig erwähnte Trimipramin, vor allem in der für den Behandlungseinstieg günstigen Tropfenform, einen Platz in der hausärztlichen Praxis behalten.

Folgte man der Auswahlempfehlung der Autoren, dann bliebe als Antidepressivum mit erwünscht sedierender Wirkung nur das „moderne“ Mirtazapin, das bei älteren Patienten aber sehr häufig ein Restless-legs-Syndrom auslöst.

Überdies gilt auch für dieses Präparat die herausgestellte „Non-Responder-Quote“ von 30 bis 50 %. Es gibt auch heute noch genug Patienten – sogar solche in fortgeschrittenem Alter –, für die die absoluten Kontraindikationen der trizyklischen Antidepressiva nicht gelten und bei denen sich die unerwünschten Wirkungen in Grenzen halten.

Flankiert von einer solchen Medikation kann erforderlichenfalls schon der Hausarzt oder, in schwereren Fällen, der weiterbehandelnde Psychiater ein antriebssteigerndes Antidepressivum einsetzen, ohne deren häufige Begleitwirkungen Schlafstörung und innere Unruhe allzu sehr befürchten zu müssen.

Die Trizyklika und die Kunst der Differenzialtherapie sollten nicht gänzlich auf dem Altar der Leitlinien-Medizin geopfert werden (1). Dies umso mehr als womöglich in absehbarer Zukunft die Pharmakogenetik gewünschte und unerwünschte Wirkungen auch der Antidepressiva vorhersehbar machen wird (2).
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0321b


Dr. med. Dr. rer. nat. Ulrich Leutgeb
Bayreuther Straße 15
95500 Heinersreuth
E-Mail: Ulrich.Leutgeb@kabelmail.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Leutgeb U: Über den Fortschritten das Bewährte nicht vergessen – Pro & Contra Trizyklika. Der Neurologe & Psychiater 2008; 9: 14–6.
2.
Kirchheiner J, Sasse J, Roots I et al.: Pharmakogenomik in der klinischen Praxis. Der Nervenarzt 2005; 76: 1340–54.
3.
Bschor T, Adli M: Treatment of depressive disorders. [Therapie depressiver Erkrankungen.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105(45): 782–92.
1. Leutgeb U: Über den Fortschritten das Bewährte nicht vergessen – Pro & Contra Trizyklika. Der Neurologe & Psychiater 2008; 9: 14–6.
2. Kirchheiner J, Sasse J, Roots I et al.: Pharmakogenomik in der klinischen Praxis. Der Nervenarzt 2005; 76: 1340–54.
3. Bschor T, Adli M: Treatment of depressive disorders. [Therapie depressiver Erkrankungen.] Dtsch Arztebl Int 2008; 105(45): 782–92.

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