ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2009Lebensversicherung: Verzinsung auf Vorjahresniveau

SUPPLEMENT: PRAXiS

Lebensversicherung: Verzinsung auf Vorjahresniveau

Löwe, Armin

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Foto: Becker&Bredel
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Die Finanzkrise ist an den Versicherungsnehmern bislang vorübergegangen, ohne allzu großen Schaden anzurichten. Doch die Aussichten sind trüb.

Umfragen der bekannten Marktbeobachter Map-Report und Assekurata zufolge hat die Finanzkrise bei den Überschussbeteiligungen der Lebensversicherungen noch keine Spuren hinterlassen. Die Umfrage von Map-Report, die von 66 Gesellschaften beantwortet wurde, zeigt, dass die Kunden in der Kapitallebensversicherung 2009 eine laufende Verzinsung ihrer Guthaben von 4,28 Prozent erhalten, nach 4,37 Prozent im letzten Jahr. Nach der Auswertung von Assekurata, die diese zum siebten Mal vornahm und 76 Unternehmen berücksichtigt (91,37 Prozent des Marktes), sinkt die laufende Verzinsung im Marktdurchschnitt über alle Tarifarten und -generationen hinweg 2009 lediglich um 0,08 Prozentpunkte auf 4,26 Prozent. Die Mehrzahl der Lebensversicherungsunternehmen behält für 2009 ihre laufende Verzinsung auf dem Niveau des Vorjahres.

Harter Wettbewerb
„Unter anderem helfen steigende Polster in den Rückstellungen für Beitragsrückerstattung der Gesellschaften dabei, schwankende Kapitalmarktüberschüsse auszugleichen“, erklärte Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata. Auch der harte Wettbewerb in der Kapitallebensversicherung veranlasst die Gesellschaften, die laufende Verzinsung möglichst konstant zu halten, weil diese im Blickpunkt der Analysten steht. Allerdings wird zuweilen an anderen Stellschrauben gedreht, um die Verzinsung der Guthaben der Versicherten in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Zu berücksichtigen ist: Die laufende Verzinsung bezieht sich nicht auf die gesamte Prämie, sondern lediglich auf den Teil der Prämie, der nach Abzug der Kosten für Vertrieb, Verwaltung und Todesfallschutz für die Kapitalanlage zur Verfügung steht. Wie viel das ist, bleibt indes das Geheimnis der Versicherungen.

Trübe Aussichten
Die Zukunftsprognosen sind allerdings alles andere als rosig. Denn die Niedrigzinspolitik, die weltweit ergriffen wurde, um die Rezession abzumildern und die Konjunktur wieder auf Trab zu bringen, ist Gift für die Lebensversicherungen. Die Branche legt in Deutschland traditionell und wegen der aufsichtsrechtlichen Vorschriften den Deckungsstock vor allem in festverzinsliche Wertpapiere an. „Wenn die Versicherer auf Dauer Bundesanleihen mit einer Verzinsung von drei Prozent oder weniger kaufen müssten, kämen sie in spätestens zwei oder drei Jahren in arge Schwierigkeiten“, fürchtet Map-Chef Manfred Poweleit. Denn die durchschnittliche Garantieverzinsung liegt bei 3,40 Prozent (Vorjahr: 3,43 Prozent) im arithmetischen und 3,43 Prozent (Vorjahr: 3,45 Prozent) im gewichteten Durchschnitt. Diese ist nicht zu verwechseln mit der Garantieverzinsung (Rechnungszins) für neu abgeschlossene Verträge, die seit dem 1. Januar 2007 exakt 2,25 Prozent beträgt.

Mit der niedrigen Aktienquote von fünf Prozent haben die Lebensversicherer von weiteren eventuellen Kursverlusten bei den Dividendenpapieren nichts zu befürchten. Aber von einer späteren Kurserholung können sie auch nicht profitieren. Die Verzinsung der Lebensversicherungsguthaben ist vom Zinstrend abhängig.

Die Zahlen für 2009 sind indes zum Teil geschönt. Zahlreiche Versicherer geben nicht mehr die laufende Verzinsung an, sondern die Gesamtverzinsung, die auch die Schlusszahlungen enthält, die immer größere Bedeutung gewinnt. Aber die Schlusszahlungen sind eine unverbindliche Schätzgröße, tatsächlich kann die Schlusszahlung am Ende geringer sein, als derzeit angenommen wird.

Nur die halbe Wahrheit
„Die Überschussbeteiligung ist nur die halbe Wahrheit“, meint auch das Hannoveraner Rating- und Analysehaus Franke & Bornberg. Während durch die von den Versicherern veröffentlichten Zahlen zur Überschussbeteiligung und die Fokussierung auf die Veränderung der Überschüsse der Eindruck erweckt werde, es habe trotz der Finanzkrise keine Veränderungen gegeben, zeige die Analyse der prognostizierten Ablaufleistungen und Rückkaufwerte zum Teil deutliche Abweichungen. So haben einige Anbieter zwar die Überschussbeteiligung stabil gehalten, jedoch die Ablaufleistung und die Rückkaufswerte deutlich gesenkt.

Weitgehend unbemerkt blieb die Senkung der Rückkaufswerte, die auch eine Stellschraube für die Versicherungsunternehmen darstellt. Sie muss einen Versicherungsnehmer, der die Absicht hat, seine Versicherung bis zum Ende durchzuhalten, auch nicht besonders interessieren. Aber: Rund die Hälfte der Lebensversicherungen wird vorzeitig gekündigt. Die Senkung der Rückkaufswerte bedeutet für den Versicherungsnehmer, der vorzeitig aussteigen will, eine Reduzierung der Rendite. Armin Löwe
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