ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 2/2009Fremdfinanzierte Rentenversicherung: Wachsende Deckungslücken

Supplement: PRAXiS

Fremdfinanzierte Rentenversicherung: Wachsende Deckungslücken

Dtsch Arztebl 2009; 106(18): [6]

Jobst, Peter

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Foto: Fotolia
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Versprochen wurde eine „mündel­sichere, unkünd­bare, lebens­lange Rente ohne Risiko“. Doch die Realität sieht anders aus: Die fremd­finanzierten Renten­ver­sicherungen ent­wickeln sich zu­neh­mend zu „Geld­ver­nichtungs­maschinen“. Anleger sollten jetzt handeln.

Die werbe­wirksam in den Medien präsentierten Konzepte klangen ebenso vielver­sprechend wie einleuchtend. Zunächst sollte der Anleger bei einem deutschen Kreditinstitut oder einer Versicherungsgesellschaft ein Darlehen in zinsgünstigen Schweizer Franken oder Japanischen Yen aufnehmen, wobei aus steuerlichen Gründen oftmals auch ein Disagio vereinbart wurde. Der Gegenwert dieses Darlehens wurde – angereichert mit Eigenmitteln – in eine private Rentenversicherung mit sofort beginnender, lebenslang zu zahlender Leibrente eingezahlt. Die daraus fließenden Rentenleistungen sowie weitere, eigene Sparanteile wurden schließlich in einen Fondssparplan eingezahlt oder bei einer britischen Lebensversicherung angelegt.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen – zumindest auf dem Papier: Nach einer festgelegten Zeit sollte das Guthaben auf dem Fondssparplan oder bei der britischen Lebensversicherung ausreichen, um das aufgenommene Darlehen zu tilgen. Und damit konnten alle weiteren Leibrentenzahlungen dem Anleger unmittelbar zugutekommen – ein Leben lang. Angepriesen wurden darüber hinaus steuerliche Vorteile, angefangen von der Abzugsfähigkeit des Disagios und der Darlehenszinsen bis hin zur Begünstigung der Leibrentenzahlungen durch die Einstufung nach Ertragsanteil.
Doch die Musterrechnungen der meisten Anbieter gingen stets von „Idealvorstellungen“ aus. So wurden die Kreditzinsen auffallend niedrig angesetzt, es wurde eine günstige Wechselkursentwicklung angenommen, und die Anlageprodukte sollten Renditen in Größenordnungen zwischen sieben und zehn Prozent aufweisen. Denn nur so rechnete sich das Geschäft.

Foto: vario images
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Doch bereits frühzeitig kam es zu ersten Rückschlägen bei dieser Anlageform. In den Jahren 2000 bis 2003 führte die Aktienbaisse dazu, dass die bereits angelegten Gelder der Kunden um bis zu 80 Prozent dezimiert wurden. Vergrößert wurden die Probleme mit den Schieflagen in der Lebensver-sicherungsbranche in Deutschland und vor allem in Großbritannien, die zu einer drastischen Reduzierung der Gewinnbeteiligungen führten. Einen neuerlichen Rückschlag erlebten die Koppelungsmodelle in der jüngsten Finanzkrise, die erneut die angelegten Gelder dezimierte. Auch die Wechselkursentwicklung brachte manchem Investor hohe Verluste. Seit dem 1. Januar 2009 kommt als weiteres Problem schließlich die Abgeltungsteuer hinzu. Darlehenszinsen können jetzt nicht mehr steuerlich als Werbungskosten geltend gemacht werden, sodass sich die Deckungslücke weiter erhöht.

Bereits mehrfach wurden die Gerichte mit dieser Problematik befasst, sodass sich für Betroffene eine entsprechende Internetrecherche hinsichtlich „ihres“ Modells durchaus lohnen kann. Allerdings ist auch hier wiederum Vorsicht geboten. Vielfach preisen „Anlegerschutzvereinigungen“ zwar einen „problemlosen Weg zum Schadensersatz“ an, den sich der Anleger jedoch mit hohen Beiträgen teuer erkaufen muss. Zudem müssen sich auch diese Anbieter rechtlichen Hürden wie etwa der Verjährung beugen. Es sollte also stets überlegt werden, ob der Aufwand in einem angemessenen Verhältnis zum Ertrag steht und ob die Rechtsverfolgung überhaupt eine Chance hat. Denn wenn der Initiator längst pleite ist, nützt auch der schönste und teuer erkaufte Rechtstitel meist nicht mehr viel.

In jedem Fall stellt sich die Frage, wie mit laufenden Verträgen umzugehen ist. Hierzu bieten sich drei Möglichkeiten an: Das Modell kann in dem Bewusstsein fortgeführt werden, dass eine erhebliche Deckungslücke besteht, die auch im Fall einer künftigen Aktienhausse auf absehbare Zeit nicht geschlossen wird. Alternativ kann die Versicherung beziehungsweise der Sparplan gekündigt oder verkauft werden, sodass mit dem Erlös zumindest ein Teil des Darlehens abgelöst werden kann. Schließlich bietet sich auch die „Sanierung“ an, also die Prüfung jedes einzelnen Bausteins hinsichtlich seiner Zukunftsperspektiven und entsprechende Umstellungen. Bei jeder dieser Varianten sollten Anleger jedoch darauf achten, kein „gutes Geld dem schlechten Geld nachzuwerfen“, vielmehr ist eine „Ende-mit-Schrecken“-Variante oft die sinnvollere. Peter Jobst
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