ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2009Dialysezentrum: Laboranforderungen online managen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Dialysezentrum: Laboranforderungen online managen

Ihringer, Michael

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Foto: ddp
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Wie ein Dialysezentrum nach der Laborreform die bürokratischen Anforderungen bewältigt

Vier bis fünf Stunden dauert jeweils die Prozedur, zu der die meisten Patienten dreimal wöchentlich ins Dialysezentrum Heusenstamm und Seligenstadt kommen. Damit sie dennoch ein geordnetes Berufsleben führen können, bieten Dr. med. Volker Becker und sein Team an sechs Tagen in der Woche flexible Behandlungszeiten teilweise bis zehn Uhr abends an. Im Sommer 2007 hatte Becker gemeinsam mit Dr. med. Alexander Scheel die Praxis für Nierenerkrankungen und alle Dialyseverfahren übernommen. Wenige Wochen später änderten sich die verbindlichen Vorgaben für das Qualitätsmanagement in Dialysepraxen. „Nachdem alle Details feststanden, blieben uns gerade einmal drei Monate Zeit, eine standortübergreifende QM-Datenbank einzuführen“, erinnert sich Becker. Die von der Vorgängerin übernommene IT-Infrastruktur lief an beiden Standorten unabhängig nebeneinander her und kam dafür auch softwaremäßig nicht infrage. „Also haben wir in aller Eile eine neue Praxis-EDV angeschafft, beide Standorte per VPN vernetzt und viel manuelle Nacharbeit in die Übernahme von 2 500 archivierten Patientenakten gesteckt“, berichtet Becker.

Dafür ist die Ausstattung des Dialysezentrums jetzt auf dem neuesten Stand der Technik: Die Praxissoftware „Nephro 7“ (Medvision) läuft auf einem Windows-2003-Server in Heusenstamm, mit dem sich die lokalen Clients direkt verbinden, die Arbeitsplätze in Seligenstadt laufen über einen dort installierten Windows-Terminalserver und ein VPN, das für eine sichere Verbindung der beiden Standorte via Internet sorgt. Dass sie damit alle modernen Automatisierungsmöglichkeiten von der Ambulanzorganisation über das Qualitätsmanagement bis zur Labordatenkommunikation nutzen können, ist für Becker und seine mittlerweile zwei Kollegen längst zur Selbstverständlichkeit geworden.

Auch deshalb fielen die Ärzte im Juni 2008 aus allen Wolken, als im Rahmen der Laborreform die Abrechnungsvorschriften geändert wurden. „Dass zukünftig das Gemeinschaftslabor die Abrechnung von Laborleistungen direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung vornehmen sollte, war eine Sache. Aber dass die Anforderung von Laborleistungen verpflichtend auf Papier erfolgen muss, hielten wir zunächst für einen üblen Scherz aus dem letzten Jahrtausend“, so Becker.

Die KV meinte es jedoch ernst: Die Praxis sollte für ihre Patienten, bei denen vor und nach jedem Dialysetermin zahlreiche Blutwerte bestimmt werden müssen, jedesmal einen Überweisungsschein ausfüllen, die zutreffenden Laborbefreiungsziffern und Diagnosen eintragen und vor allem jeden Laborparameter einzeln auf dem entsprechenden Formular anfordern. „Wenn man da eine Schicht von 20 Dialysepatienten mit jeweils 15 oder 20 Parametern vorbereitet, macht man ganz schön viele Striche auf dem Anforderungsschein – und natürlich auch viele Fehler, die man wieder korrigieren muss“, erläutert Becker.

Bildschirmansicht der Anwendung
Bildschirmansicht der Anwendung
Glücklicherweise hatte der Laborpartner bereits eine Lösung in petto. Das deutschlandweit tätige Labor Limbach ließ sich von dem auf labornahe diagnostische Anwendungen spezialisierten Unternehmen Vision-4health eine Weblösung zur beleglosen Anforderung implementieren. Die „molis channel“ genannte Software basiert auf der schnellen Integrationsplattform „Ensemble“ (Intersystems) und arbeitet mit allen gängigen Praxislösungen und Laborsystemen zusammen. Dem Praxispersonal stellt sie direkt im Browser eine Benutzeroberfläche für die Online-Anforderung von Laborleistungen zur Verfügung. Das integrierte automatische Formularwesen trägt darüber hinaus den verschärften Abrechnungsvorschriften Rechnung.

Becker und seine Kollegen meldeten sich als Pilotanwender. Realisiert wurde die Lösung im September 2008 gemeinsam vom Labor sowie dem Praxissoftwareanbieter und dem Hersteller der Laborsoftware. Obwohl es für alle Beteiligten der erste Einsatz der neuen Lösung war, blieben größere Schwierigkeiten aus. „Lediglich als es darum ging, über die sichere Internetverbindung aus dem Browser heraus den lokalen Drucker in der Praxis anzusteuern, mussten die IT-Leute etwas improvisieren“, erinnert sich Becker. Auf diesem Drucker werden nach erfolgter Online-Übermittlung der Anforderung der Anforderungs- und Überweisungsschein ebenso wie alle anderen Formulare und die Aufkleber zur Röhrchen-Etikettierung ausgegeben.

Parallel zur Erledigung des Papierkrams sorgt eine intelligente Schnittstelle dafür, dass die Patientendaten samt Abrechnungsinformationen und Diagnosen aus der Praxissoftware direkt ins Labor übernommen werden, Formulare und Etiketten eindeutige Barcode-Identifikationen gemäß der Auftragsnummernlogik des Labors erhalten und die getätigten Laboranforderungen automatisiert in das Praxissystem zurückgespielt werden.

Zusätzlich zur Automatisierung des Datenaustauschs erleichtert die integrierte Unterstützung für Disease-Management-Programme bei häufig vorkommenden Untersuchungen die Arbeit zusätzlich. „Kleines Blutbild, Kreatinin und Harnstoff, Elektrolyte, Kalcium und Phosphat sind bei Nierenpatienten grundsätzlich gefragt“, erläutert Becker. Außerdem kann sich das Praxispersonal über die Laborsoftware eine Liste der Praxisfavoriten sowie die 20 zuletzt getätigten Anforderungen zusammenstellen lassen, die für neue Anforderungen verwendet und dabei nach Belieben korrigiert oder ergänzt werden können.

„Unterm Strich ist mit der Software die Anforderung von Laborleistungen so einfach geworden wie eine Buchbestellung bei Amazon“, urteilt Becker. Um die Auswirkungen der Software sicher beurteilen zu können, hatten sich die Kollegen entschieden, diese mit Inkrafttreten der neuen Abrechnungsvorschriften am 1. Oktober 2008 zunächst nur in Heusenstamm einzusetzen. Am Standort Seligenstadt wurde noch ganz konventionell mit Papier gearbeitet.

„Mit der Onlinelösung können wir zahlreiche Fehlerquellen eliminieren und haben bis zu 70 Prozent Zeitersparnis“, resümiert Becker. So fand Mitte November endlich auch in Seligenstadt der Papiertiger seinen verdienten Ruhestand. Aber auch anderswo wird es langsam still um ihn: Für die Anforderungssoftware haben sich bereits 40 weitere Einsender des Labors entschieden. Michael Ihringer, E-Mail: ihringer@in-house.de
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