ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2009Hilfsmittel: Schlechte Versorgung kommt teuer

SUPPLEMENT: PRAXiS

Hilfsmittel: Schlechte Versorgung kommt teuer

Imhoff-Hasse, Susanne

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Die Medizinproduktebranche plädiert für eine stärkere Verankerung von Qualitätsstandards.

Vor dem Hintergrund von Hilfsmittelausschreibungen und dem Zwang zum Vertrag plädieren Hilfsmittelfachhändler, Vertreter von Homecare-Unternehmen und Sanitätshäusern sowie Medizinproduktehersteller für stärkere Qualitätsstandards bei der Versorgung von Patienten. Ärzte können in diesem heterogenen Segment von orthopädischen Hilfsmitteln, Inkontinenz- und Stomaartikeln bis hin zu Applikationshilfen oder Inhalationsgeräten ihren Patienten Produkte auf Kassenrezept verordnen, wenn diese im Zusammenhang mit einer Krankheit notwendig sind oder eine Behinderung ausgleichen.

Anfang 2009 wurde die Hilfsmittelversorgung angepasst, die Krankenkassen müssen nicht in jedem Fall ausschreiben, sie können Verträge mit den Fachhändlern abschließen. Fachleute haben wiederholt vor Preisdumping vor allem bei Ausschreibungen gewarnt. Außerdem sind das Recht des Patienten auf Auswahl eines Sanitätshauses oder Fachhändlers sowie das Mitspracherecht bei der Produktwahl weggefallen.

Um eine Versorgung der Patienten auf Billigniveau zu verhindern, will der Qualitätsverbund Hilfsmittel (QVH) institutionsübergreifend Ärzte, Patienten, Hersteller, Hilfsmittelfachhandel und Kostenträger vernetzen und die Krankenkassen für definierte Qualitätsstandards gewinnen. Der Zusammenschluss von derzeit 63 Mitgliedern, darunter Unfallkrankenhäuser und Rehakliniken, will so bundesweit Transparenz schaffen (Internet: www.qvh.de). Der QVH vergibt Gütesiegel für Unternehmen, die seine Standards nachgewiesen haben, als Orientierungshilfe nach außen. Die an der Hilfsmittelversorgung beteiligten Institutionen senden Vertreter in Arbeitsgruppen, die die Qualitätskriterien entwickeln. Das Ziel ist, dass die Krankenkassen diese abgestimmten Standards als Grundlage für ihre Vertragsverhandlungen nehmen. So soll eine ausreichend gute Versorgung sichergestellt werden. Negativbeispiele wie per Discounter angebotene Rollstühle, die ohne Schulung und nur mit einer Anpassungsanleitung zum Selbststudium an Behinderte abgegeben werden, sollen so vermieden werden.

Mehr als bisher solle die tatsächliche Versorgungsrealität bei Hilfsmittelverträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern berücksichtigt werden. Dies sagte Norbert Bertram von Coloplast Siewa Homecare auf einer Medinform-Veranstaltung in Bonn. Die Krankenkassen müssten Qualität in der Praxis kontrollieren und bezahlen. Einige Hilfsmittelfirmen unterschrieben Kassenverträge zu so niedrigen Preisen, um Patienten versorgen zu dürfen, dass Produkte guter Qualität nicht zu liefern seien. Bertram bemängelte darüber hinaus die zu ungenauen Kassenbriefe an deren Versicherte. Es gehe nicht an, dass große Einrichtungen, wie zum Beispiel die Barmer Ersatzkasse bei einer Ausschreibung für aufsaugende Inkontinenzartikel, gleich sämtliche Mitglieder anschrieben und diese so verwirrten. Stärker als bisher müssten die Krankenkassen bei Ablehnungen allen einheitlich antworten und nicht den Patienten etwas anderes mitteilen als den Leistungserbringern. Susanne Imhoff-Hasse
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