ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Intensivmedizin: Offene Debatte über Rationierung gefordert

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Intensivmedizin: Offene Debatte über Rationierung gefordert

Hillienhof, Arne

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Moderne Geräte und Medikamente geben der Intensivmedizin neue Möglichkeiten. Doch es fehlt an Geld. Foto: Caro
Moderne Geräte und Medikamente geben der Intensivmedizin neue Möglichkeiten. Doch es fehlt an Geld. Foto: Caro
Eine offene Diskussion über die Beschränkung intensivmedizinischer Leistungen forderte der Vorsitzende des Deutschen Anästhesiekongresses (DAC), Joachim Boldt, im Vorfeld der diesjährigen DAC-Tagung in Leipzig. Schon heute rationieren Umfragen zufolge rund zwei Drittel der Intensivstationen ihre Leistungen. Dies erfolge jedoch oft versteckt und ohne klare Richtlinien.

Obwohl neue Geräte und Medikamente die intensivmedizinische Versorgung in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert haben, fehlt laut einer Umfrage an 1 000 Intensivstationen vielerorts das Geld für aufwendige Therapien. „Dann stellt sich die Frage, wo man anfängt, medizinische Leistungen einzuschränken“, erklärte Boldt. Feste Regeln, wann eine Therapie begrenzt oder abgebrochen werden soll, gebe es bis dato jedoch nur selten. Boldt plädiert dafür, die Beschränkung offen zu diskutieren: „Kein Gesundheitswesen funktioniert ohne Rationierung. Auch eine effektive Intensivmedizin wird ohne die Begrenzung von Therapiemaßnahmen künftig nicht mehr möglich sein. Das Thema zum Tabu zu erklären, hilft keinem.“

In diesem Zusammenhang warnt Boldt vor einer versteckten Rationierung. In der Umfrage gaben 35 Prozent der Krankenhäuser an, dass sie gelegentlich oder häufig Patienten ablehnten, weil sie keine freien Betten hätten. „Es darf nicht sein, dass ein Krankenwagen mit einem Schwerverletzten von Klinik zu Klinik fährt, weil keine Intensivstation ein Bett frei hat“, sagte Boldt. Dann würde ausgerechnet den Patienten die Hilfe versagt, die sie am dringendsten brauchten. hil
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