ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Prostatakarzinom: Neue Antiandrogene wirken auch bei Resistenz

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Prostatakarzinom: Neue Antiandrogene wirken auch bei Resistenz

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS US-amerikanische Forscher haben Antiandrogene entdeckt, die in einer ersten klinischen Studie (Science 2009; doi: 10.1126/scien ce.1168175) selbst bei Männern mit einem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (CRPC) noch den Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) senken können. Welchen klinischen Stellenwert der Wirkstoff hat, soll jetzt eine Phase-III-Studie zeigen.

Die Resistenzentwicklung gegenüber Antiandrogenen wird darauf zurückgeführt, dass die Krebszellen die Produktion von Androgenrezeptoren stark erhöhen. Außerdem haben die Antiandrogene ab einer bestimmten Phase der Resistenzentwicklung offenbar keine hemmende Wirkung mehr auf die Rezeptoren, sondern sogar eine stimulierende. Die Forscher um Charles Sawyers vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York suchen seit einigen Jahren gezielt nach Antiandrogenen, die ihre Wirksamkeit behalten, auch wenn die Zellen vermehrt Rezeptoren bilden. Die Forscher entdeckten neue Substanzen der nun zweiten Generation von Antiandrogenen, die nicht nur den Rezeptor blockieren, sondern auch die Translokation in den Zellkern und die Bindung des Rezeptors an die DNA verhindern. Die beiden oral verfügbaren Wirkstoffe RD162 und MDV3100 wurden zunächst in einem Mäusemodell mit CRPC untersucht.

Remission teilweise über drei Monate
Es folgte eine klinische Phase-I/II-Studie mit MDV3100, die derzeit noch nicht abgeschlossen ist. Die Autoren berichten aktuell über die Ergebnisse an den ersten 30 Patienten. Bei allen war es unter der Therapie mit Antiandrogenen der ersten Generation zu einer Tumorprogression gekommen, bei zwölf Patienten war auch eine taxanbasierte Chemotherapie gescheitert. Unter der Therapie mit 30 oder 60 mg/die MDV3100 kam es bei 22 von 30 Patienten zu einem anhaltenden Rückgang des PSA-Werts über wenigstens zwölf Wochen, bei 13 von 30 Patienten fiel der PSA-Wert sogar um mehr als 50 Prozent, elf Patienten werden seit mehr als 25 Wochen behandelt. Sie sollen das Medikament gut vertragen. Bei den anderen Patienten wurde MDV3100 wegen einer Krankheitsprogression abgesetzt. Dies deutet schon darauf hin, dass von MDV3100 allenfalls eine Verzögerung, aber keine Heilung zu erwarten ist. Wegen der guten Verträglichkeit erscheint aber eine weitere Dosissteigerung möglich zu sein. Demnächst wollen die Forscher über die Ergebnisse an 110 weiteren Patienten berichten. Rüdiger Meyer
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