ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Hochschulpakt: Die Medizin bleibt außen vor

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Hochschulpakt: Die Medizin bleibt außen vor

Hibbeler, Birgit

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Foto: ddp
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Wegen der doppelten Abiturjahrgänge kommt auf die Universitäten eine Bewerberwelle zu. Bund und Länder finanzieren zusätzliche Studienplätze. Die Zulassungszahlen in der Medizin steigen jedoch nicht.

An vielen deutschen Universitäten sind überfüllte Hörsäle ein gewohntes Bild. Doch der große Andrang steht den Fakultäten noch bevor. Der Grund: die doppelten Abiturjahrgänge, die durch die Verkürzung der Gymnasialzeit entstehen. In diesem Jahr ist es im Saarland so weit, von 2011 bis 2013 folgen dann die bevölkerungsreichen Länder Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Zeitgleich werden dort dann Schüler sowohl nach zwölf als auch nach 13 Jahren ihr Abiturzeugnis in der Hand halten. Um die Welle an Bewerbern zu bewältigen, sollen daher bis 2015 rund 275 000 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Das sehen die Vorschläge der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern zum „Hochschulpakt 2020“ vor, die auf einer Sondersitzung Ende April in Berlin verabschiedet wurden.

Mit dieser Zahl folgt die GWK einer Prognose, nach der in den alten Ländern für die Jahre 2011 bis 2015 ein Zuwachs von etwa 340 000 Studienanfängern erwartet wird; dem steht ein Rückgang um rund 65 000 in den neuen Bundesländern gegenüber – bedingt unter anderem durch die demografische Entwicklung. Doppelte Abiturjahrgänge gibt es in den meisten neuen Ländern nicht. Für jeden der 275 000 zusätzlichen Studienanfänger stehen verteilt über vier Jahre 26 000 Euro zur Verfügung, je zur Hälfte finanziert von Bund und Ländern. Die Maßnahmen für ein hochwertiges Studium in den „MINT-Fächern“ (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sollen die Länder verantworten.

Kein Sonderprogramm für die Humanmedizin
Die Zulassungzahlen für die Medizin werden sich unterdessen nicht ändern. Ein Sonderprogramm Medizin – wie zunächst geplant – wird es nicht geben. Nach Angaben der GWK liegt es zwar in der Entscheidung der Länder, wie sie die Mittel aus dem Hochschulpakt verwenden, doch dass das Sonderprogramm vom Tisch ist, dürften die Fakultäten mit Erleichterung aufnehmen. Dieses sah vor, dass nicht die Vollkosten für einen Medizinstudienplatz in Höhe 240 000 Euro bereitgestellt werden sollten, sondern nur rund ein Fünftel davon. Vor diesem Hintergrund hatte der Medizinische Fakultätentag (MFT) auf die ohnehin angespannte Finanzlage in der Medizinerausbildung hingewiesen. Seit 2003 seien die Grundmittel pro Studierendem der Humanmedizin um zwölf Prozent gesunken, kritisierte Prof. Dr. med. Gebhard von Jagow, Präsident des MFT. Die gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung auf der Basis des aktuellen Forschungsstands sei in Gefahr.

Die Zahl der Medizinstudienplätze bleibt konstant – obwohl man zusätzliche Absolventen angesichts des Ärztemangels gut gebrauchen könnte. Ein Grund für diese Entscheidung dürften die rechtlichen Folgen einer solchen – wenngleich zeitlich begrenzten – Kapazitätserhöhung sein. Denn eine Steigerung der Zulassungszahlen hätte zu einer Flut von Studienplatzklagen führen können. Die Argumentation dieser Klagen basiert darauf nachzuweisen, dass eine Fakultät mehr Studierende aufnehmen könnte, als sie tut (siehe „Studienplatzklagen: Desaster für Gerechtigkeit und Studienqualität“ in DÄ, Heft 17/2009).

18 Milliarden Euro für Bildung und Forschung
In der GWK-Sondersitzung wurden neben dem Hochschulpakt auch Vorschläge für die Weiterführung der Exzellenzinitiative und den Pakt für Forschung und Innovation verabschiedet. Die drei Vorhaben sollen dazu beitragen, dass Deutschland das Ziel erreicht, bis 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung auszugeben. „Mit einem Gesamtpaket von 18 Milliarden Euro leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsgestaltung in Deutschland“, sagte der GWK-Vorsitzende, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner. Über die GWK-Vorschläge müssen jetzt die Regierungschefs von Bund und Ländern entscheiden.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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