ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Martyrologium: Ein weiteres Beispiel
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Vieles ist zu den Opfern der Naziherrschaft geschrieben worden, auch zu den Opfern von medizinischen Experimenten, die durch deutsche Ärzte mit politischer Legitimation erfolgten. Dass sich unter den Opfern auch Ärzte als gläubige Widerständler befanden, ist vielleicht weniger bekannt. In einer Zeit, in der über gläubige Christen und Kirchenmänner in der Nazizeit oft leichtfertig der Stab gebrochen wird, sie hätten nicht genug Widerstand geleistet, ist dieser Artikel umso wertvoller. Der Autor erwähnt beispielhaft die jüdische Ärztin Dr. Dr. Lisamaria Meirowsky, die wohl am 9. August 1942 im KZ Auschwitz in der Gaskammer des „Weißen Hauses“ zusammen mit einer Gruppe von katholischen Ordensfrauen ermordet wurde . . . Ein anderes Beispiel ist die heute in Krakau lebende polnische Psychiaterin Dr. Wanda Poltawska, die als junge polnische Frau wegen ihres Widerstandes gegen die Naziherrschaft in Lublin von der Gestapo verhaftet und später ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert wurde. Dort wurden von Nazi-Chirurgen Experimente über Ostitis an den dort lebenden Frauen, auch an ihr, durchgeführt. Viele Frauen starben an den künstlich durch pathogene Keime zugefügten Knochenentzündungen, andere überlebten verkrüppelt. Sie schreibt darüber in ihrem Buch „Und ich fürchte meine Träume“: . . . „Ich habe auch viele Freunde deutscher Nationalität, denn Menschlichkeit steht über Nationalität . . . Ravensbrück hat mich auch gelehrt, dass der Mensch nicht automatisch ein Abbild Gottes ist, dass man sich darum bemühen muss – es gibt keine passive Heiligkeit! Der Mensch muss ständig dem Bösen widerstehen, nach innen und nach außen.“ Diese Worte sind nach wie vor wahr, aktuell und geben Orientierung bei der ärztlichen Arbeit.
Dr. med. Wolfgang Hanuschik, Müllerstraße 40 B, 13353 Berlin
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