ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Gesundheitsberatung für Jugendliche: Handys als Aktivitätsbegleiter

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Gesundheitsberatung für Jugendliche: Handys als Aktivitätsbegleiter

Dtsch Arztebl 2009; 106(18): A-891

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Mit Handys, die spezielle Sensoren enthalten, lassen sich physische Aktivitäten und Bewegungszustände wie Laufen oder Radfahren erfassen und auswerten. Foto: Fotolia
Mit Handys, die spezielle Sensoren enthalten, lassen sich physische Aktivitäten und Bewegungszustände wie Laufen oder Radfahren erfassen und auswerten. Foto: Fotolia
In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil übergewichtiger Jungen verdoppelt, der von Mädchen sogar verdreifacht. Hauptgründe für diese Entwicklung sind vor allem falsche Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel. Die Medigreif-Inselklinik Heringsdorf (Usedom) und das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung Rostock (IGD; www.igd-r.fraunhofer.de), haben mit Unterstützung durch Sony-Ericsson und Vodafone eine Gemeinschaftsstudie gestartet, in der sie über in Handys integrierte Sensoren die Ernährungs- und Bewegungssituation von adipösen Kindern und Jugendlichen untersuchen und bewerten.
Ärzte und Psychologen der Fachklinik für Kinder und Jugendmedizin in Heringsdorf und die Forscher des IGD wollen betroffenen Kindern beim Abnehmen und anschließend beim Gewichthalten helfen. Zwischen 80 bis 120 übergewichtige Kinder im Alter von elf bis 17 Jahren verbringen mehrere Wochen und Monate in der Inselklinik und werden dort hinsichtlich ihrer Ernäh-rungs- und Bewegungssituation beobachtet und unterstützt. Ihr ständiger Begleiter ist dabei das Handy, das mittels eines integrierten Bewegungssensors die körperliche Aktivität der Kinder erfasst.
Die mit Sensoren ausgestatteten Handys wurden bislang nur zur Musiksteuerung genutzt. Die dafür vom IGD Rostock entwickelten und im Handy integrierten Algorithmen erfassen die physische Aktivität, erkennen Bewegungsmuster und unterscheiden zwischen einzelnen Bewegungszuständen, wie „Ruhe“, „Laufen“, „Hüpfen“ oder „Radfahren“. Misst der Sensor über einen längeren Zeitraum am Tag keine oder eine unzureichende körperliche Aktivität, wird das betroffene Kind von seinem Handy darauf aufmerksam gemacht. Umgekehrt erhält es ein „digitales Geschenk“, wenn es besonders aktiv war. So erhalten die jungen Probanden regelmäßig eine Rückmeldung zu ihrem Verhalten und schärfen ihr Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise. Damit die Kinder ihren gesunden Lebensrhythmus später beibehalten, nutzen sie die Handys auch nach dem klinischen Aufenthalt im häuslichen Umfeld weiter.
Ein weiterer Vorteil dieser Form der Eigenbeobachtung: Die Patienten brauchen keine handschriftlichen Ernährungsprotokolle mehr führen. Im Gegensatz zu solchen Listen kann mit dem Handy die Nahrungsaufnahme lückenlos und zeitgetreu erfasst werden, indem die Kinder jede Mahlzeit mit der Handykamera fotografieren. Die Bilder werden elektronisch an den Ernährungsberater geschickt, der sie später gemeinsam mit den Probanden auswertet.
Die Möglichkeit, die Aktivität und Ernährungssituation von Patienten kontinuierlich mit einem Standardhandy beobachten und analysieren zu können, ist nach Ansicht der Forscher entscheidend für den Erfolg medizinischer Langzeittherapien. So soll dieses Verfahren künftig auch Diabetespatienten bei der Bestimmung ihres Insulinbedarfs unterstützen, denn auch dieser hängt mit der körperlichen Aktivität des Betroffenen zusammen. Im Projekt „DiaTrace“ des IGD sollen erwachsene Diabetespatienten daher ebenfalls mit einem Bewegungssensor ausgestattet und untersucht werden. EB

Kontaktadresse
Gerald Bieber, Joachim-Jungius-Straße 11, 18059 Rostock, E-Mail: gerald.bieber@igd-r.fraunhofer.de
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