ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2009Börsebius: Mein Freund, der Baum

GELDANLAGE

Börsebius: Mein Freund, der Baum

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Verstärkt werde ich in den letzten Wochen nach Investitionsmöglichkeiten in Sachwerten gefragt. Hintergrund ist wohl die Angst vor einer Rieseninflation oder gar einem Währungsschnitt. Dieses Schreckenszenario scheint mir en vogue zu sein, das Thema auf Partys und Lieblingsfolterinstrument der Weltuntergangspropheten.

Wenn ich auch nicht glaube, dass dieser Ernstfall eintreten wird, dazu sind die Konjunkturpakete und die aufsichtsrechtlichen Reparaturmaßnahmen einfach zu schlüssig, so ist doch die Anlageidee „Sachwerte“ an sich schon richtig, weil natürlich die Inflationsraten in den nächsten Jahren deutlich höher liegen werden. Das schon deswegen, weil die Regierungen auf Jahrzehnte hinaus mit einem Billionenschuldenpaket konfrontiert sind, das sich einfacher zurückzahlen lässt, wenn die Geldentwertung höher ist als normal. Neben Gold, Platin und sonstigen Edelmetallen, die aber allesamt leider keine Zinsen abwerfen, sind vor allem substanzstarke Aktien als eine ideale Sachwertanlage denkbar, das gilt auch für Immobilien, aber eben nur dann, wenn Lage und Preis in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen.

Ganz besonders Schlaue, besonders wohlhabende Investoren, orientieren sich aber in eine ganz andere Richtung: Sie kaufen einen Wald oder Ackerland. Dahinter steckt die Idee, nicht mehr von so verrückten Börsenkursbewegungen, von irrationalen Berechnungen abhängig sein zu müssen, sondern eben von handfesten Dingen, nicht unfassbar, sondern anfassbar. Der Wert eines Waldes, so lautet das Credo, hänge eben vom Holzbestand ab und der Wert eines Ackerlands vom Boden, dokumentiert in entsprechenden Wertgutachten.

Nun könnte zu Recht eingewandt werden, auch Gutachten können hinfällig, anfällig, gemauschelt und sonst wie interpretierbar sein, aber sie unterliegen zumindest nicht den erratischen Schwankungen einer normal verrückten Aktie. Dieser Philosophie folgen übrigens seit Jahren schon renommierte Stiftungen wie etwa die der US-amerikanischen Eliteuniversität Yale, die seit einiger Zeit in „Real Assets“ investiert. Aber auch Harvard und Stanford setzen auf die stabilisierenden Eigenschaften von Bäumen und Edelhölzern in ihren Portfolios.

Also: Wald als Investment ist durchaus eine gute Idee und bietet eine Menge von Vorteilen, vor allem Rendite und Krisensicherheit. Und weil Bäume eh von allein wachsen, steigt deren Wert im Laufe der Zeit, einfach so. Ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit. So weit die Theorie.

Vorsicht ist gleichwohl angebracht. Es gibt jede Menge von zweifelhaften Adressen, die das Thema lediglich als Mausefalle nutzen, um Anleger anzulocken und dann über den Tisch zu ziehen. Selbst seriöse Investmentfonds, die sich mit Anlagen in Holz befassen, verloren im letzten Jahr bis zu 50 Prozent ihres Werts. Vielleicht wäre es doch besser, einen Baum im eigenen Garten zu pflanzen, und gut ist.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.