ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Krankenkassen: Zusatzbeiträge vertreiben die Versicherten

BERUF

Krankenkassen: Zusatzbeiträge vertreiben die Versicherten

Flintrop, Jens

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LNSLNS 42 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten würden bei Erhebung eines Zusatzbeitrags die Krankenkasse wechseln. Räumliche Nähe, Beratungsqualität, Vorsorgeangebote und Chronikerprogramme erhöhen die Kundenbindung.

Seit Anfang des Jahres zahlen alle gesetzlich Krankenversicherten den gleichen Beitragssatz. Krankenkassen können einen Zusatzbeitrag erheben, wenn ihre Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht ausreichen. Doch wie hoch ist eigentlich die Wechselbereitschaft der Krankenversicherten, wenn sie zusätzlich acht Euro monatlich zahlen müssten? Und was bewegt Versicherte zum Verbleib in ihrer Krankenkasse? Um auf diese Fragen Antworten zu erhalten, interviewte das Marktforschungsinstitut Mindline-Media im März 2009 rund 1 000 Personen ab 14 Jahren. Auftraggeber war die Unternehmensberatung Korehnke-Kommunikation.

Der Umfrage zufolge würden 42 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten bei der Erhebung eines Zusatzbeitrags von acht Euro die Krankenkasse wechseln wollen, zwölf Prozent ganz sicher, und 30 Prozent würden dies vielleicht tun. Lediglich für 25 Prozent der Befragten käme ein Wechsel auf keinen Fall infrage, für 20 Prozent eher nicht, 13 Prozent zeigen sich unentschlossen.

Während jüngere GKV-Versicherte wechselbereiter sind, bleiben Ältere ihrer Krankenkasse eher treu. So würden 40 Prozent der über 60-Jährigen auf keinen Fall bei Erhebung eines Zusatzbeitrags die Krankenkasse wechseln, in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen sind es hingegen nur 26 Prozent und bei den unter 50-Jährigen nur noch 17 Prozent.

Für 84 Prozent der Befragten ist der wichtigste Grund, in ihrer Krankenkasse zu bleiben, ein guter Service, wie zum Beispiel eine nahe gelegene Geschäftsstelle oder eine gute telefonische Beratung. Nahezu ebenso wichtig werden Leistungen einer Krankenkasse im Bereich Vorsorge und gesunde Lebensführung eingeschätzt (80 Prozent), gefolgt von angebotenen Behandlungsprogrammen für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herzkrankheiten oder Asthma (68 Prozent). Das breite Spektrum der eigenen Krankenkasse von Zusatz- und Wahltarifen ist für 59 Prozent der Befragten Grund für den Verbleib in der Krankenkasse.

Weniger als die Hälfte der nicht wechselwilligen Versicherten nennt die ausreichende Einkommenssituation als Bleibegrund. Den Aufwand für einen Wechsel und mögliche negative Auswirkungen auf ihre medizinische Versorgung sehen lediglich 39 Prozent beziehungsweise 38 Prozent als Grund für den Verbleib in ihrer derzeitigen Krankenkasse. Vor allem Frauen befürchten bei einem Krankenkassenwechsel negative Auswirkungen auf ihre medizinische Versorgung und scheuen den Aufwand, die Krankenkasse zu wechseln.

Katja Korehnke, Geschäftsführerin von Korehnke-Kommunikation, kommentiert die Ergebnisse der Umfrage: „Es zeigen sich zwar gut zwei Fünftel der gesetzlich Krankenversicherten im Fall eines Zusatzbeitrags wechselbereit. Für viele Versicherte sind qualitative Versorgungsinhalte dennoch weiterhin wichtiger als die Beitragshöhe.“ Krankenkassen, die ihre Versicherten weiter an sich binden wollten, müssten also mehr denn je mit einem differenzierten Service- und Leistungsangebot am Markt ein klares Profil zeigen und dies auch deutlich und nachvollziehbar kommunizieren.

Die Langfassung der Studie kann kostenfrei im Internet abgerufen werden unter: www.korehnke-kommunikation.de/download/kassenbindung.pdf.
Jens Flintrop
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