ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Randnotiz: Gefährliche Musik
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LNSLNS Opern gelten vielen heute nicht mehr als die zeitgemäßeste Kunstform. Dennoch sorgen sie aktuell für Aufsehen, und das nicht nur in den Feuilletons. So führte eine Kölner Inszenierung von Camille Saint-Saëns Oper „Samson und Dalila“ noch vor der Premiere zu heftigen Protesten. Zahlreiche Chorsänger hatten ihre Mitwirkung bereits im Vorfeld eingestellt, weil die drastischen Kriegsszenen, die Regisseur Tilman Knabe für das Stück vorsieht, ihren Angaben zufolge zu heftigen psychischen Problemen führen. Nach Aussage von Astrid Schubert, dem Vorstand des Kölner Opernchores, sind bereits in den Proben „körperliche und seelische Krankheiten entstanden, die von den Ärzten diagnostiziert und durch ein Attest bestätigt wurden“. Inzwischen sind auch Solisten aus der Inszenierung ausgestiegen. Regisseur Knabe hat dafür wenig Verständnis: „Es gibt Tabus, die wir beachten müssen, aber was wir da machen, gehört zum Schauspiel- und Opernalltag.“

Operninszenierungen können also möglicherweise krank machen, sie können aber auch einer konstruktiven Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod dienen, wie die begeistert aufgenommene Aufführung von Christoph Schlingensiefs Oper „Mea Culpa“ in Wien zeigt. Schlingensief, der an Lungenkrebs erkrankt ist, setzt sich in seiner „Ready-made-Oper“, wie er „Mea Culpa“ selbst nennt, unter anderem mit Wagners Musik, einer „gefährlichen Musik, die nicht das Leben, sondern das Sterben feiert“, auseinander, er führt in ein Ayurvedazentrum und lässt einen Patienten aus einer Krebszelle aus Pappmaschee krabbeln, „um den Krebs von innen heraus zu zerstören“.
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