ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Arzneimittelsicherheit: Embryotoxische Effekte im Fokus der Beratung

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Arzneimittelsicherheit: Embryotoxische Effekte im Fokus der Beratung

Dtsch Arztebl 2009; 106(19): A-904

Siegmund-Schultze, Nicola

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Beratung für Ärzte und Schwangere gibt es beim Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin. Foto: iStockfoto
Beratung für Ärzte und Schwangere gibt es beim Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin. Foto: iStockfoto
Neue Medikamente sind für Schwangere nicht sicherer als bewährte, im Gegenteil: „Frauen im Alter zwischen 15 und 50 Jahren sollten vornehmlich Medikamente erhalten, die sich als wirksam, aber nicht embryotoxisch erwiesen haben, für den Fall, dass sie während der Einnahme schwanger werden“, sagte Dr. med. Christof Schäfer, Leiter des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie (PVZ) in Berlin. Beim PVZ seien seit der Gründung 1988 jährlich mehr Beratungsanfragen eingegangen, allein 2008 seien es knapp 14 000 von Ärzten und Schwangeren gewesen, berichtete Schäfer beim Internistenkongress in Wiesbaden. Am häufigsten werde nach einer möglichen Gefährdung durch Arzneimittel gegen psychiatrische Erkrankungen gefragt, meist Antidepressiva und Neuroleptika. Beim PVZ erfolge eine individuelle Beratung, zudem würden die Anfragen dokumentiert und die Schwangeren nachverfolgt, wenn daraus neue, wissenschaftlich relevante Erkenntnisse zu erwarten seien.

Wenn theoretisch die Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen der Einnahme eines Medikaments und der Schädigung des Kindes bestehe, werde eine Meldung über unerwünschte Arzneimittelwirkungen ans Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geschickt. Im vergangenen Jahr gab es 300 solcher Meldungen.

Eine Studie hat das PVZ zu Vitamin-K-Antagonisten gemacht. Untersucht wurden 354 Lebendgeborene, deren Mütter in der Schwangerschaft ein Marcumar-artiges Medikament genommen hatten. Dabei fand man zwei Cumarin-Embryopathien, aber nur bei Kindern, deren Mütter ab Woche acht oder bis Woche 16 solche Präparate eingenommen hatten. „Wir konnten damit belegen: Wenn man bis Woche acht nach der letzten Regelblutung ein Cumarin absetzt und die Patientin umstellt auf Heparin, ist eine Cumarin-Embryopathie höchst unwahrscheinlich, eine Abruptio aus diesem Grund nicht notwendig“, betonte Schäfer. Allerdings seien in den letzten Jahren neun Kinder mit schwersten Schädigungen zur Welt gekommen, deren Mütter AT2-Rezeptor-Antagonisten in der zweiten Schwangerschaftshälfte eingenommen hätten. Von ACE-Hemmern seien ähnliche Risiken bekannt. nsi
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