ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Leuchtende Krebszellen weisen Hirnchirurgen den Weg

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Leuchtende Krebszellen weisen Hirnchirurgen den Weg

EB

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LNSLNS Am Deutschen Krebsforschungszentrum und der Universität Heidelberg ist eine neue Färbemethode entwickelt worden, die Gliomzellen während der Operation gelbgrün leuchten lässt. Dadurch sind die Grenzen zwischen Tumor- und Normalgewebe während des gesamten Eingriffs sichtbar, was Hirnchirurgen die Operation erleichtert.

Gliome wachsen sehr verästelt ins Hirngewebe, oft siedeln sich einzelne Krebszellen in umliegendes Gewebe ab. Daher ist es nahezu unmöglich, das Tumorgewebe bei einer Operation vollständig zu entfernen. Eine radikale operative Entfernung des Tumors würde die Prognose von Betroffenen erheblich verbessern. Dr. Eva Frei vom Deutschen Krebsforschungszentrum entwickelte daher in Zusammenarbeit mit Ärzten und Forschern der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg eine Methode, die den chirurgischen Eingriff verbessern soll. Die Wissenschaftler machen sich zunutze, dass Krebs seinen erhöhten Energiebedarf unter anderem dadurch deckt, dass er große Mengen des Bluteiweißes Albumin aufnimmt. Die Forscher koppelten eine fluoreszierende Substanz (5-Aminofluorescein) an das Albumin, das sich über die Blutbahn im Körper verteilt und sich schließlich im Hirntumor anreichert.

Kernspintomografien eingespart
Dann regt Laserlicht die Substanz zum Leuchten an und macht dadurch die feinen Ausläufer der Geschwulst sichtbar. Der Fluoreszenzmarker ist während der gesamten Operation sichtbar. Die Wissenschaftler erprobten das Albuminverfahren an 13 Patienten mit bösartigen Gliomen. In neun Fällen gelang es dank des intensiv gelbgrünen Leuchtsignals, das fluoreszierende Tumorgewebe vollständig zu entfernen. Bei dem leuchtenden Gewebe handelte es sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent um Tumorzellen.

„Die Färbung ist eine erhebliche Erleichterung für den Operateur, da er die genaue Grenze zwischen Tumor- und normalem Hirngewebe erkennt“, erklärt Frei. „Hinzu kommt, dass der Tumor oft Druck auf die Hirnhaut ausübt, und wenn diese für die Operation aufgetrennt wird, verschiebt sich der Tumor oder ändert seine Form“. Diesen sogenannten Brainshift erkennen die Operateure, Kernspintomografien während des Eingriffs werden überflüssig. In einer größeren multizentrischen Studie sollen im kommenden Jahr Verträglichkeit und Effektivität der Färbung bestätigt werden. Langfristig soll geprüft werden, ob das Verfahren die Prognose der Patienten verbessert. EB
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