ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Stadtporträt Mainz: Johannes Gutenberg, der Dom und ein künftiges Exzellenzzentrum

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Stadtporträt Mainz: Johannes Gutenberg, der Dom und ein künftiges Exzellenzzentrum

Spielberg, Petra

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LNSLNS Die alte Römerstadt am Rhein ist Gastgeberin des 112. Deutschen Ärztetages vom 19. bis zum 22. Mai. Was die Stadt so alles an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, schildert die folgende Reportage.

Mainz und Wiesbaden bilden nicht nur eine über fünf Brücken miteinander verbundene Art länderübergreifende Doppelstadt. Mainz und Wiesbaden, das ist auch so ein bisschen wie Düsseldorf und Köln. Alteingesessene Wiesbadener schauen gerne schon mal etwas herablassend auf die eher bodenständigen „Meenzer“ am westlichen Ufer des Rheins, während viele Bewohner der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt die Wiesbadener schlicht für Snobs halten.

Die Rivalität zwischen den beiden Städten hat gleichwohl historische Wurzeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem die am Zusammenfluss von Rhein und Main gelegene Stadt zu 85 Prozent zerstört worden war, wurde Mainz von den Franzosen besetzt, Wiesbaden von den Amerikanern. Die rechtsrheinischen Stadtteile nördlich der Mainmündung – Amöneburg, Kastel und Kostheim – fielen Wiesbaden zu. Den Mainzern gingen somit rund 50 Prozent ihres ehemaligen Stadtgebiets sowie bedeutende Industrieanlagen und die damit verbundenen Gewerbesteuern verloren. „Das schmerzt noch heute“, räumt ein Mainzer Passant ein.

Dabei hat die knapp 200 000 Einwohner umfassende Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz mit ihrem urigen Charme viel zu bieten: Am augenfälligsten ist der Dom. Der über 1 000 Jahre alte imposante Bau mit seiner romanischen Hauptkirche bildet das Herzstück der Stadt.

Dreimal in der Woche öffnen Marktleute vor seinen Toren ihre Stände. Selbst bei schlechtem Wetter tummeln sich hier zahlreiche Einheimische und Touristen, um frisches Obst, Gemüse, Käse, Wurst- oder Backwaren zu kaufen, einfach nur zu flanieren und anschließend in einer der angrenzenden Weinstuben bei einem Spundekäs (einem Frischkäse mit Sahnequark und Gewürzen) oder einem Handkäs mit Musik (eine ursprünglich mit der Hand geformte Käseart mit viel frischen Zwiebeln – Musik!) einen „Schoppen“ zu trinken.

Überhaupt haben die Mainzer nicht nur ihre kulinarischen, sondern auch ihre mundartlichen Eigenheiten, die durchaus gewöhnungsbedürftig sind. Wer beispielsweise „Dorscht“ hat und keinen der zahlreichen heimischen Weine probieren, sondern stattdessen lieber ein Mineralwasser trinken möchte, sollte ein „Bitzelwasser“ bestellen. Ein saurer Wein wiederum heißt „Rachebutzer“. Und „oogeduddelt“ ist der, der davon zu viel genossen hat.

Für den Mainzer – als Hauptstädter der größten Weinregion Deutschlands (Rheinhessen) – zählt Wein zudem zu den wenigen Lebensnotwendigkeiten. Dies bezeugen „Weck, Woscht un’ Woi“, an denen sich der Mainzer insbesondere zur berühmten „Meenzer Fassenacht“ gütlich tut.

Tritt man aus dem Schatten des Doms, lohnt es sich, einen Abstecher in die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Straßen und Gassen rund um die Augustinerstraße zu machen. Dort findet man bis heute mittelalterliche Fachwerkhäuser. Rund um den Schillerplatz stößt man zudem auf zahlreiche barocke Adelspaläste. Sie bezeugen die ehemals machtvolle Stellung der Mainzer Bischöfe, die als Angehörige des Kurfürstenkollegs des Deutschen Reiches und als Reichserzkanzler die Geschicke der Deutschen mitbestimmten. Doch auch am Rhein, der durch die Kanalisation im Jahr 1850 die Hälfte seiner ursprünglichen Breite eingebüßt hat, gibt es beeindruckende historische Baudenkmäler. Hierzu gehört das Barock- und Renaissance-Ensemble, bestehend aus dem Neuen Zeughaus (heutige Staatskanzlei), dem Deutschhaus (heute Landtag) sowie dem Kurfürstlichen Schloss, in dem 1793 die erste Republik auf deutschem Boden von Mainzer Jakobinern ausgerufen wurde. Ganze drei Monate hatte die Demokratie Bestand.

Ebenfalls am Rhein befindet sich die Rheingoldhalle, der moderne Teil des Kongresszentrums der Stadt, in der vom 19. bis 22. Mai der diesjährige Deutsche Ärztetag stattfinden wird. Das Gebäude aus den 60er-Jahren wurde vor zwei Jahren vollständig saniert und erweitert. Herausgekommen ist ein moderner, aufgrund seiner breiten Glasfront sehr transparent wirkender Veranstaltungsort.

Den Platz vor der Rheingoldhalle und dem schräg gegenüber liegenden Rathauskomplex schmückt eine sieben Meter hohe aufgefächerte Aluminiumskulptur des spanischen Künstlers Andreu Alfaro. Das Werk (Joie de vivre), das ein wenig an ein überdimensioniertes Stachelschwein erinnert, soll die Lebensfreude versinnbildlichen. Andere Skulpturen mit demselben Titel, so berichtet die Stadtführerin, hat der Künstler in Frankfurt am Main und in Palma de Mallorca aufstellen lassen.

Eine Besonderheit des Mainzer Stadtbilds sind die farbigen Stadtbilder: „Rote Straßen“ verlaufen quer zum Rhein, das heißt, in Ost-West-Richtung. „Blaue“ Schilder kennzeichnen Straßen, die parallel zum Rhein verlaufen.

Namensgeber der Hochschule ist der berühmteste Sohn der Stadt – Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Johannes Gutenberg, der Erfinder der Druckkunst mit beweglichen Lettern. Ihm ist ein sehenswertes Museum gewidmet, in dem noch einige der weltberühmten Gutenberg-Bibeln zu sehen sind. In der Druckerwerkstatt wird zum Vergnügen der Touristen auch heute noch à la Gutenberg gedruckt.

In der Johannes-Gutenberg-Universität befindet sich die einzige medizinisch-/zahnmedizinische Fakultät von Rheinland-Pfalz. Mehr als 2 800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lehren hier an mehr als 150 Instituten und Kliniken. In enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum der Stadt, einem der größten Arbeitgeber in Mainz, werden hier alljährlich 3 500 Ärzte und Zahnärzte ausgebildet.

Seit 1. Januar dieses Jahres bilden das Klinikum und der Fachbereich Medizin der Universität eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Forschung, Lehre und Krankenversorgung finden somit unter einer gemeinsamen Leitung statt. Hochschulrechtlich und organisatorisch ist das Fach Medizin weiterhin bei der Universität angesiedelt. Mit diesem Mainzer Modell der „doppelten Integration“ soll nach den Worten des Verwaltungsdirektors des Universitätsklinikums, Norbert Finke, der Universitätsstandort Mainz als Arbeits- und Wirtschaftsfaktor weiter gefördert werden. Zur Verbesserung des „Forschungsstandorts“ Mainz beitragen soll auch das verstärkte Einwerben von Drittmitteln. 77,3 Millionen Euro flossen im vergangenen Jahr auf diesem Weg in den Haushalt der Universität – 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Besondere Unterstützung erfährt die Spitzenforschung an der Johannes-Gutenberg-Universität zudem durch eine außergewöhnliche Initiative der Boehringer-Ingelheim-Stiftung. Mit mehr als 100 Millionen Euro will die Stiftung in den kommenden zehn Jahren die Errichtung und den Betrieb eines „Exzellenzzentrums für Lebenswissenschaften“ in Mainz fördern. „Mit der Einrichtung des Exzellenzzentrums will sich Mainz als ein bedeutendes Zentrum für molekulare Medizin etablieren“, erklärt der Präsident der Universität, Dr. Georg Krausch.

Gefragt danach, welche medizinisch-historischen Wurzeln sich noch heute in Mainz entdecken lassen, verweist die Stadtführerin auf einen wunderschönen romanischen Bau, das Heiliggeist-Restaurant. Das war einmal das älteste Hospiz in Deutschland. Im Jahr 1236 erbaut, war das Heiliggeist-Spital zunächst eine Stätte zur Pflege von Alten und Kranken. Im Jahr 1400 wurde es dann in ein Altersheim umgewandelt. Im 19. Jahrhundert diente das Gebäude als Erziehungsanstalt für Mädchen und junge Frauen, bevor es 1863 in eine Gaststätte umgewandelt wurde.

Das Spital war ursprünglich in die Stadtmauern integriert und lag somit direkt am Rheinufer. Heute entdeckt man das Heiliggeist-Restaurant am besten, wenn man – die Rheingoldhallen zur Linken – von dem zum Dom führenden Verbindungsweg in die Tiefe blickt. Angeblich zählt es dank seines atemberaubenden Ambiente inzwischen sogar zu den schönsten Restaurants weltweit.
Petra Spielberg
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