ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009KV-System: Der Vertragsarzt teilt zu
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. . . Die traditionelle Arztrolle, in der der Arzt sich als Anwalt des Patienten versteht und (bestenfalls) mit diesem gemeinsam Behandlungsentscheidungen trifft, kollidiert zunehmend mit den Rahmenbedingungen Leistungs- und Arzneimittelbudget. Weil maximale Spielräume nicht mehr vorhanden sind, empfinden viele Vertragsärzte sich in ihrer Therapiefreiheit eingeschränkt und ihren Beruf nicht mehr als freien Beruf. Was hilft, ist ein Wechsel der Perspektive: Die zugewiesenen Budgets sind der Rahmen, in dem wir für unsere Patienten eine ausreichende und zweckmäßige medizinische Versorgung organisieren, die das Maß des Notwendigen nicht überschreitet und wirtschaftlich erbracht wird. Das sieht unser Vertragsverhältnis für die Versorgung der GKV-Mitglieder vor . . . Die Aufgabe des Vertragsarztes besteht demnach heute darin, seinen sich ihm anvertrauenden Patienten angemessene Anteile seiner Budgets zuzuteilen. Dabei muss man Gerechtigkeitsfragen reflektieren, sich über Grenznutzen oder Nutzlosigkeit in Diagnostik und Therapie klar werden und auch das traditionelle Arztbild infrage stellen . . . und korrigieren. Wenn wir als Vertragsärzte mit unseren gewählten Vertretern dazu in der Lage wären, bräuchten wir umso weniger „sachfremde Einflussnahmen“ beziehungsweise Auflagen und Richtlinien von außen. Erst wenn nachweislich bei vorgegebenen Budgets eine auf das notwendige reduzierte Versorgung nicht mehr möglich ist, ist die Forderung nach mehr Geld gerechtfertigt. Solange wir als Vertragsärzte jedoch unsere Hausaufgaben nicht erledigen, werden wir von den durch uns so geschmähten Gesundheitspolitikern nicht ernst genommen und als verwöhnte Berufsgruppe mit überzogenem Anspruchsdenken wahrgenommen. Die Zeit der absoluten Therapiefreiheit in der GKV ist vorbei, und wir sollten aufpassen, mit unseren Forderungen nicht in den Verdacht zu geraten, Therapiefreiheit mit Narrenfreiheit zu verwechseln.
Andreas Gänsicke, Sternstraße 28, 06886 Lutherstadt Wittenberg
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