ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Dokumentation: Eigene Versäumnisse
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. . . Bemerkenswert ist Costas Artikel nicht nur wegen der scharfsinnigen und inhaltlich in keinem Punkt zu widersprechenden Analyse, sondern auch wegen des Eingeständnisses, nicht zu wissen, wie wir aus dieser Misere herauskommen können. Der Beitrag, dem man allenfalls „vorhalten“ könnte, dass die Aufzählung der unseligen Akronyme unvollständig ist (es fehlen Begriffe wie KTQ, DIN EN ISO, GeQik, EQFM, OE/QM, QuMiK etc., wobei es sich vielleicht auch um baden-württembergische Spezialitäten handeln mag), weist aber vielleicht doch einen Ausweg, indem der Autor feststellt, dass es sich um eine hausgemachte Katastrophe handelt: Wir Ärzte haben es versäumt, der ausufernden „Zertifizitis“, einer nicht mehr nachvollziehbaren und zu rechtfertigenden, überbordenden Bürokratie, nicht nur nicht rechtzeitig Einhalt geboten zu haben, sondern betreiben dies auf verschiedenen Ebenen mit. Vordergründig werden strukturierte Dialoge zur Qualitätssicherung beziehungsweise Verbesserung der Versorgungsqualität geführt, die nichts anderes sind als der Versuch, auf dem Boden oft fehlender wissenschaftlicher Belege ein bestimmtes Verhalten zu fordern, ohne dass die Sinnhaftigkeit belegt oder im Einzelfall kollegial und argumentativ nachvollziehbar dargestellt werden würde (So wurden wir jahrelang wegen eines angeblich zu kurzen Intervalls zwischen Diagnosestellung und Operation eines Mammakarzinoms in zum Teil oberlehrerhaftem Ton kritisiert, ohne dass die Frage, ob dies überhaupt eine Rolle spiele, je beantwortet wurde – mittlerweile ist dieser „Qualitätsindikator“ sang- und klanglos aus dem Katalog der „Versorgungsqualität“ herausgenommen worden). Wer aber, wenn nicht Persönlichkeiten wie Costa und andere bedeutsame und einflussreiche Vertreter unseres Faches, könnte dazu beitragen, dass wieder Normalität in den Arztalltag zurückkehrt, der aus meiner Sicht vor allem eines bedeutet: Die Patienten und deren Bedürfnisse und Interessen in den Mittelpunkt zu stellen – und nicht länger die Erfüllung von Industrienormen und pseudowissenschaftlich fundierten Forderungen. Geschieht nichts, wird sich das Problem auf andere Art lösen: Der Exitus der nachwachsenden Ärztegeneration ist bereits in vollem Gange . . .
Dr. Ulrich Steigerwald, Chefarzt der
Frauenklinik, Enzkreis-Kliniken Mühlacker,
Hermann-Hesse-Straße 34, 75417 Mühlacker
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