ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Multiple Sklerose: Bioidentisches Interferon eingeführt

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Multiple Sklerose: Bioidentisches Interferon eingeführt

Dtsch Arztebl 2009; 106(19): A-939

Fath, Roland

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LNSLNS Novartis bringt Interferon beta-1b als Extavia® auf den Markt und startet ein Betreuungsprogramm für Patienten.

Vor mehr als 15 Jahren wurde Interferon beta-1b (INF) als erstes Medikament zur krankheitsmodifizierenden Therapie bei Patienten mit multipler Sklerose (MS) eingeführt. Anfang dieses Jahres ist der bewährte Wirkstoff ein zweites Mal eingeführt worden, als bioidentisches Präparat zum Klassiker Betaferon® (Bayer-Schering-Pharma AG). Parallel zur Einführung von Extavia® baut das Unternehmen Novartis ein umfangreiches Betreuungsprogramm für die Patienten auf und bildet MS-Schwestern und Berater(innen) aus. Alle Vermarkter von Interferonen setzen inzwischen auf das gleiche Konzept: die immunmodulatorische Therapie möglichst frühzeitig einzusetzen und durch intensive und langfristige Betreuung der Patienten für eine möglichst gute Compliance zu sorgen.

Klinische Besserung um 50 Prozent
Im Zuge der Übernahme der Firma Chiron – Entwickler von INF-beta-1b – durch Novartis, hat Bayer-Schering dem Schweizer Unternehmen die Rechte überlassen, den Wirkstoff als eigene Marke zu vertreiben. Das neue Präparat sei wie der Klassiker für alle Stadien der MS zugelassen, teilte Priv.-Doz. Dr. Volker Limmroth (Köln) mit: nach einem ersten Schub in frühen Stadien (CIS), bei schubförmigem Verlauf wie auch in Spätstadien mit sekundär-progredientem Verlauf.

Zur Therapie mit INF-beta-1b bei MS liegen inzwischen Erfahrungen mit mehr als 700 000 Patientenjahren vor. In der ersten Studie bei Patienten mit schubförmiger MS wurde belegt, dass mit 250 µg INF-beta-1b jeden zweiten Tag subkutan die Schubrate um 34 Prozent verringert wird: Jährlich sei es unter der Therapie nur noch zu 0,84 Schüben im Vergleich zu 1,27 in der Placebogruppe gekommen, berichtete Limmroth. Bei langfristiger kontinuierlicher Anwendung kann das Auftreten einer sekundären Progredienz um mehr als sechs Jahre verzögert werden. Besonders effizient ist eine frühzeitige Therapie: Bei Patienten mit CIS (klinisch isoliertes Syndrom) wurde das Auftreten einer klinisch gesicherten MS unter zweijähriger Therapie mit INF-beta-1b um 50 Prozent verringert (definitive MS-Diagnose 28 versus 45 Prozent Placebogruppe). Hinweise gibt es außerdem darauf, dass die immunmodulatorische Therapie auch die kognitiven Fähigkeiten der Patienten verbessert.

Achillesferse der INF-Therapie ist die hohe Abbruchrate. Bis zu 20 Prozent aller MS-Patienten brächen eine immunmodulierende Therapie mit Interferonen ab, meist in den ersten sechs Monaten der Behandlung, sagte Dr. Norman Putzki (St. Gallen/ Schweiz). Die häufigsten Gründe dafür seien Nebenwirkungen, vor allem grippeähnliche Symptome und Injektionsreaktionen, sowie mangelnde Einsicht der Patienten, die Therapie dauerhaft fortsetzen zu müssen. Durch ein modernes Betreuungsprogramm könne die Abbruchrate deutlich verringert werden, betonte Putzki. Beim Extracare®-Programm werden die Patienten durch MS-Schwestern unterstützt und beraten, zum Beispiel, wie sich Nebenwirkungen mit der richtigen Injektionstechnik vermeiden lassen. MS-Berater übernehmen bei Bedarf psychosoziale Aufgaben. Unterstützt werden die Patienten außerdem mit einem Starterpaket, einer gebührenfreien Hotline und einer Internetplattform (www.ms-und-ich.de).

Das Unternehmen Novartis plant für dieses Jahr drei neue Studien bei MS-Patienten. In einer Studie soll die aktuelle Versorgung der Patienten unter die Lupe genommen werden, in den beiden anderen werden die Zusammenhänge zwischen MS und Osteoporose beziehungsweise kognitiven Defiziten untersucht.
Roland Fath

Einführungspressekonferenz „Lebe dein Leben trotz multipler Sklerose: Extavia® – oder wie moderne Behandlungsmöglichkeiten dabei unterstützen“, in Frankfurt/Main, Veranstalter: Novartis
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