ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2009Börsebius: Bin ich ein schwarzes Schaf?

GELDANLAGE

Börsebius: Bin ich ein schwarzes Schaf?

Dtsch Arztebl 2009; 106(19): A-941 / B-805 / C-781

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Unter den Versicherungskonzernen herrscht ein knallharter, gnadenloser Wettbewerb, bis auf eine gemeinsame halb geheime Datenbank: die möglicher schwarzer Schafe im Assekuranzwesen. Wer einmal bei der Allianz auffällt, kann und darf nicht damit rechnen, durch einen Wechsel etwa zur AXA wieder zum lupenreinen Kunden zu werden.

Es kommt immer wieder vor, dass Anträge auf Versicherungsschutz aus fadenscheinigen Gründen nicht angenommen, abgewiesen oder verschleppt werden. Der ahnungslose Schutzsuchende hat indes keinen blassen Schimmer von seinem Schicksal als verkartetes Risiko. Und das teilweise ohne Grund, weil nicht wenige dieser Einträge auf Namensähnlichkeiten, Doppelnamen, falschen Schreibweisen oder purer Schlamperei beruhen.

In diese obskure Liste gerät aber auch, wer sich versicherungstechnisch „seltsam“ verhält. Hierzu gehört etwa ein rätselhafter Autounfall oder eben auch eine vergleichsweise hohe Lebensversicherung bei ansonsten kargen Einkommensverhältnissen.

Dieses „Hinweis- und Informationssystem (HIS)“ der Versicherer wurde vor gut 15 Jahren gegründet und enthält 9,5 Millionen Einträge. Jedes Jahr kommen von den Kraftfahrzeugversicherern eine Million und von den Lebensversicherungen 750 000 neue Einträge dazu. Jedes Assekuranzunternehmen kann auf die HIS-Daten zugreifen, und so brauchen sich verdächtige Antragsteller nicht zu wundern, wenn sie keinen Schutz bekommen.

Dabei muss man auch nicht unbedingt ein schwarzes Schaf sein. Die mehrfache (berechtigte) Inanspruchnahme der Rechtsschutzversicherung kann durchaus auch schon ein Grund für die Aufnahme in die HIS-Ahnengalerie sein. Wenn Sie jetzt vermuten, dass Sie möglicherweise auch in der HIS-Liste stehen, kann man aber ohne Weiteres klären, ob dem so ist. Nach dem Bundesdatenschutzgesetz muss (müsste) ein Betroffener generell benachrichtigt werden, wenn erstmals personenbezogene Daten gespeichert werden (§ 33), und außerdem kann gemäß § 34 Auskunft über die Herkunft der Daten verlangt werden. Dass Sie bisher nicht informiert wurden, heißt jedoch nicht, dass keine Daten vorliegen.

Wer ganz sichergehen will, reicht eine schriftliche Anfrage beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Hinweis- und Informationssystem, Wilhelmstraße 43/43G, 10117 Berlin, ein. Wichtig: Kopie des Personalausweises mit Vorder- und Rückseite beilegen. Betroffene können dann fehlerhaften Einträgen widersprechen und verlangen, dass diese sofort gelöscht werden.
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