ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2009Internet: Mal Wohltat, mal Risiko

EDITORIAL

Internet: Mal Wohltat, mal Risiko

PP 8, Ausgabe Mai 2009, Seite 193

Gieseke, Sunna

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LNSLNS Viele Menschen nutzen das Internet: zur Recherche, zum Zeitvertreib oder um mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen. Das sogenannte World Wide Web ist aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Doch das Netz birgt auch Risiken. In diesem Zusammenhang wird von Experten immer wieder vor einer Computersucht gewarnt. Die Nutzung des Internets – so belegen zahlreiche Studien – kann dazu führen, dass man alles andere um sich herum vernachlässigt. Davon sind vor allem junge Männer betroffen. Fast jeder sechste 15-Jährige verbringt täglich mehr als 4,5 Stunden mit Computerspielen. Dies meldete kürzlich die Techniker Krankenkasse (TK). Allein in Hessen sind nach Angaben der TK knapp 1 000 Jugendliche davon abhängig. Vor allem Onlinerollenspiele wie zum Beispiel „World of Warcraft“, die fast ausschließlich von jungen Männern gespielt werden, haben ein hohes Suchtpotenzial. Mädchen und Frauen hingegen verbringen viel Zeit in Chatforen oder mit Online-shopping.

Die Symptome seien dabei ganz ähnlich wie bei anderen Süchten. Die Betroffenen könnten nicht mehr anders und müssten spielen. Täten sie es nicht, litten sie an Entzugserscheinungen wie etwa Schlafstörungen und Nervosität, sagte Wolfgang Schmidt, Leiter der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen. Durch exzessives Spielen vernachlässigen die Jugendlichen soziale Kontakte, Familie, Schule und Beruf. Und auch alltägliche Dinge wie Essen und Körperhygiene werden dann zur Nebensache. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Jugendlichen, aber auch Eltern und Schulen für das Thema zu sensibilisieren. Allerdings ist die Frage noch nicht geklärt, wie man die jungen Menschen erreicht. Neueste Zahlen belegen jedoch, dass die Hürde, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bei Jugendlichen sinkt.

Das Internet kann aber auch gerade der Weg sein, um in Foren mit anderen Betroffenen Kontakt aufzunehmen. Dies gilt zum Beispiel für depressiv erkrankte Menschen. Eine neue Studie der Universität Leipzig untersuchte den Nutzwert des Online-Angebots der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Es zeigte sich, dass Internetforen von Betroffenen zunehmend intensiv und parallel zur professionellen Behandlung genutzt werden. Mehr als 60 Prozent gaben bei der Befragung an, dass durch die Teilnahme am Onlinediskussionsforum ihr Vertrauen in eine medizinische Behandlung gestiegen sei und sie sich ermutigt fühlten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Als besonders positiv bewerteten die Nutzer, dass sie sich über das Internetforum mit anderen Betroffenen stärker verbunden fühlten und dadurch ihre eigene Krankheit besser akzeptieren könnten. Skeptische Stimmen hatten bisher bei der Rolle des Internets für Menschen mit psychischen Erkrankungen immer wieder die Sorge geäußert, dass das Angebot zur Selbsthilfe genutzt werden könnte. Stattdessen wird es keinesfalls als Alternative zur professionellen Behandlung gesehen, sondern als Anstoß, eine solche in Anspruch zu nehmen. Allerdings sollte man immer genau überlegen, wieviel man von seinen Daten im Netz preisgibt. Dass sensible Daten nicht mehr unbedingt geschützt sind, zeigt das BKA-Gesetz, welches seit dem 1. Januar in Kraft ist. Auch Psychologische Psychotherapeuten dürfen – ohne sie zu informieren – ausspioniert werden. Nun wurde eine Verfassungsklage eingereicht. Lesen Sie mehr auf Seite 199.
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