ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2009Hermann-Josef Kuhna: Kreativer Prozess

KUNST + PSYCHE

Hermann-Josef Kuhna: Kreativer Prozess

Kraft, Hartmut

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LNSLNS Die Fotografie zeigt den Künstler in seinem Atelier. Die Szene ist ebenso rätselhaft wie überschaubar: Seinem Kopf entspringt eine Bildblase analog den Sprechblasen eines Comics. Sie besteht aus Farbpunkten, die dem dahinter hängenden Bild entsprungen sein könnten. Enthält der geschlossene schwarze Koffer im Vordergrund Ansätze für eine Lösung? Welche Rolle spielt das Rezept auf der Staffelei? In welch eigentümlicher Pose verharrt der Künstler hier in seinem Atelier?

Situationen und Bilder, die wir in ihrer Bedeutung nicht so leicht entschlüsseln können, werden entweder schnell zur Seite gelegt – oder sie regen unsere Fantasie an. Wenn wir uns darauf einlassen, begeben wir uns gedanklich selbst mitten hinein in das Atelier des Künstlers. Ein klein wenig können wir dann teilhaben an den Fragen, die diese Bilder an den Künstler und auch an uns stellen: Welches Format? Mit welcher Farbe soll begonnen werden? Würde eine weitere Schicht von Punkten zu einer Intensivierung der Bildwirkung führen? Oft müssen wir im kreativen Prozess innehalten, zurücktreten und abwarten, was sich uns als stimmig für den nächsten Schritt aufdrängt. „Das Unbewusste ist schlau!“, hat Sigmund Freud einmal gesagt, und dieser Ausspruch lässt sich zweifellos auf den kreativen Prozess selbst beziehen. Aus dieser Sicht nun bietet sich eine Interpretation der eigentümlichen Pose des Künstlers an: Versunken in seine Überlegungen scheint er auf einer Unterlage zu ruhen – aber da ist keine reale Unterlage, denn es handelt sich hier um die Darstellung einer inneren, abwartenden Haltung. Der kreative Prozess findet unter einer hohen Anspannung statt, selbst wenn der Künstler zwischenzeitlich auf einer Couch liegen würde. Ein „Rezept für Kreativität“ dürfte dabei kaum hilfreich sein. Es enthielte nur ein paar erste blasse Anhaltspunkte.
Hartmut Kraft

Biografie Hermann-Josef Kuhna
Geboren 1944 in Ottenhausen/Thüringen. 1964–1969 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. 1969 und 1971 erste und zweite philologische Staatsprüfung, ab Mai 1971 als freier Maler und Hilfsarbeiter tätig. Ab 1972 Gastdozent am Institut für Kunsterzieher der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, 1974 Dozent, 1979 Ernennung zum Professor an der Kunstakademie Münster. Lebt in Düsseldorf.

Literatur:
Kuhna H-J: Bilder 1990–2000. National Art Gallery, Kuala Lumpur (Malaysia) 2000.
Kraft H: KUNST auf REZEPT. Salon Verlag, Köln 2001.
Kuhna H-J: Vom Anbeginn. Ludwig Museum, Koblenz 2006.
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