ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1997Unnötige Verzögerung bei der Diagnostik des Ösophagus- und Magenkarzinoms

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Unnötige Verzögerung bei der Diagnostik des Ösophagus- und Magenkarzinoms

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LNSLNS Bei Tumoren des Ösophagus und des Magens ist die Prognose des Patienten vom Stadium der Erkrankung zum Therapiezeitpunkt abhängig. Verzögerungen in der Diagnostik führen zu mehr fortgeschrittenen Tumorstadien mit ungünstigeren Langzeitergebnissen. In einer Studie aus Leeds, England, wurde von Chirurgen untersucht, welche Zeit zwischen dem Auftreten einer Erstsymptomatik und der endgültigen Diagnose bei Patienten mit Ösophagus- und Magenkarzinom vergeht. 115 konsekutive Patienten mit Ösophaguskarzinom (n = 27) oder Magenkarzinom (n = 88) wurden in die Untersuchung eingeschlossen, nach Diagnosestellung wurde anhand der Anamnese, der vorangegangenen Arztbesuche sowie anhand der Krankenhausaufzeichnungen die zeitliche Abfolge vom Erstsymptom bis zur Diagnose ermittelt.
Im Mittel vergingen bei beiden Tumorarten bis zur histologischen Sicherung 17 Wochen (1 bis 168 Wochen), bei einem Viertel der Patienten sogar mehr als ein halbes Jahr. Von dieser Verzögerung gingen 29 Prozent durch verspäteten Arztbesuch auf das Konto des Patienten. Weitere 23 Prozent ließen sich durch die zögerliche Überweisungspraxis der erstbehandelnden Ärzte erklären. Die Zeitdauer von Krankenhausaufnahme bis zur entsprechenden Untersuchung schlug mit 16 Prozent zu Buche, der Zeitraum bis zur endgültigen histologischen Diagnosestellung mit weiteren 32 Prozent. Bei Patienten mit Magenkarzinom zeigte sich keine Korrelation zwischen Tumorstadium und Verzögerungsdauer, beim Ösophaguskarzinom waren Patienten im Stadium I und II im Mittel nach sieben Wochen diagnostiziert, im Stadium III und IV jedoch erst nach 21 Wochen.
Die Autoren betonen, daß bei Patienten mit Ösophagus- und Magenkarzinom noch immer zuviel Zeit zwischen Symptom und Diagnose vergeht; insbesondere heben sie den Anteil des Krankenhauses an der Verzögerung mit 48 Prozent hervor. Schnellere Überweisungsmodalitäten und Untersuchungsgänge würden ihres Erachtens zu einer früheren Diagnosestellung und Therapieeinleitung führen. acc
Martin, IG et al.: Delays in the diagnosis of oesophagogastric cancer: a consecutive case series. Br Med J 1997; 314: 467-471.
IG Martin, Academic Department of Surgery, Centre for Digestive Diseases, General Infirmary at Leeds, Leeds, LS1 3EX, England.

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