ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2009Schulamokläufer: Individuelle Faktoren bei Täteranalyse berücksichtigen

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Schulamokläufer: Individuelle Faktoren bei Täteranalyse berücksichtigen

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LNSLNS Amokläufe in Schulen erschüttern immer häufiger die Öffentlichkeit. Peter Langman, Psychologe, Direktor der US-amerikanischen Kinderhilfsorganisation KidsPeace und Spezialist für Schulamokläufe, hat sich mit den Charakteristika, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Amokläufern befasst. Anhand von zehn Fallbeispielen aus den Jahren 1997 bis 2007 beschreibt er den „traumatisierten“, den „psychotischen“ und den „psychopathischen“ Tätertypus. Die traumatisierten Täter kamen aus zerrütteten Familien, erlebten Alkohol- und Drogensucht und Kriminalität der Eltern und wurden körperlich und sexuell misshandelt. Die psychotischen Täter wiesen Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis auf wie Schizophrenie und schizotype Persönlichkeitsstörung. Sie stammten aus intakten Familien und waren nicht missbraucht worden. Die psychopathischen Täter waren weder Missbrauchsopfer noch psychotisch. Sie waren jedoch stark narzisstisch, impulsiv, unbeherrscht und sadistisch. Ihr Einfühlungsvermögen und Gewissen waren unterentwickelt. Für Langman sind diese Eigenschaften und Lebensumstände noch keine hinreichenden Voraussetzungen für Amokläufe, da die meisten Menschen mit ähnlichen Schicksalen keine vergleichbaren Taten begehen. Als Faktoren, die als Verstärker und Auslöser fungieren, nennt er unter anderem die Eltern als Vorbilder, die kriminell sind oder Waffen besitzen. Zudem werden die Täter oft von Gleichaltrigen zur Tat angestachelt. Langman betont, dass nicht nur soziale Einflüsse, wie etwa Computerspiele, sondern auch individuelle Faktoren bei der Täteranalyse berücksichtigt werden müssen. ms

Langman P: Rampage school shooters: A typology. Aggression and Violent Behavior 2009; 14(1): 79–86.
Peter Langman, KidsPeace Children´s Hospital, 5300 Kids Peace Drive, Orefield, PA 18069 (USA),
E-Mail: Peter.Langman@kidspeace.org, Internet: www.kids peace.org
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