ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009AGnES – Hausarztunterstützung durch qualifizierte Praxismitarbeiter – Evaluation der Modellprojekte – Qualität und Akzeptanz: Schlusswort
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LNSLNS Dr. Klement et al. bemerken zutreffend, dass aus den genannten Gründen Sekundärdaten derzeit weder hinsichtlich Umfang noch Qualität eine studieninterne Kontrollgruppe ersetzen können (1). Dennoch können Abrechnungsdaten aus den Hausarztpraxen sowie Daten der kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen (soweit sie durch die jeweiligen Kollegen und Institutionen zur Verfügung gestellt werden) relevante Hinweise geben, zum Beispiel auf die Entwicklung der Produktivität der Praxen (Anzahl betreuter Patienten, Anzahl geleisteter Hausbesuche), die Zahl der Krankenhauseinweisungen, die Liegetage und die Verordnung von häuslicher Krankenpflege.

Die Autoren verweisen auf Untersuchungen zu sogenannten „nurse practitioners“ (NP), die aus mehreren europäischen Ländern vorliegen. Im Vergleich zur Hausarzt-gebundenen AGnES verfügen die NP über erheblich erweiterte Kompetenzen und arbeiten nicht auf Delegationsbasis, sondern weitgehend autonom im Sinne einer Substitution ärztlicher Leistungen. Die für NP vorhandene Evidenz kann daher auf die AGnES-Projekte in Deutschland nicht übertragen werden.

Die Problemlage, die zur Konzeption der AGnES-Projekte und zur Änderung des § 87 Absatz 2b SGB V geführt hat, ist – nicht nur in den Neuen Bundesländern – real (2). Ziel des AGnES-Konzeptes ist es, durch intensive und spezifische Qualifizierung der AGnES-Fachkräfte und deren unmittelbare Anbindung an die Hausarztpraxis eine hohe Versorgungsqualität für Hausbesuchspatienten auch in drohend oder bereits manifest unterversorgten Regionen zu erreichen (3). Dieser Anspruch hat seinen Preis – die parallel in allen Modellprojekten durchgeführte ökonomische Analyse zeigt, dass wesentliche Kosteneinsparungen durch AGnES nicht zu erwarten sind. Versuche, durch Absenkung der Qualifizierungsvoraussetzungen und/oder der Qualitätsanforderungen eine kostengünstige „AGnES light“ zu implementieren, gefährden die Sicherheit unserer Patienten und sind entschieden abzulehnen.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0358


Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann MPH
Dr. rer. med. Neeltje van den Berg
Institut für Community Medicine
Abt. Versorgungsepidemiologie und Community Health
Klinikum der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald, AöR
Ellernholzstraße 1/2, 17487 Greifswald
Email: wolfgang.hoffmann@uni-greifswald.de


Interessenkonflikt
Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Hoffmann W, Bobrowski C, Fendrich K: Sekundärdatenanalyse in der Versorgungsepidemiologie – Potenzial und Limitationen. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 2008; 51: 1193–201. MEDLINE
2.
Siewert U, Fendrich K, Hoffmann W: Analyse und Prognose der ambulanten Versorgungssituation sowie von Patientenzahlen in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2020. Abschlussbericht „Versorgungsepidemiologische Auswirkungen des demografischen Wandels in Mecklenburg-Vorpommern – Bereiche Ambulante Versorgung und Epidemiologie“. Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 2008.
3.
van den Berg N, Dreier A, Rogalski H, Oppermann RF, Hoffmann W: Das AGnES Curriculum – Evidenzbasierte Qualifizierungsinhalte und Praxiskompetenzen aus den AGnES-Modellprojekten (2005–2008) für die Durchführung ärztlich angeordneter Hilfeleistungen in der Häuslichkeit der Patienten nach § 87 Abs. 2b SGB V. Schriftenreihe der Hochschule Neubrandenburg, Reihe G, Band 7. Neubrandenburg 2009.
4.
van den Berg N, Meinke C, Heymann R et al.: AGnES: Supporting General Practitioners with qualified medical practice personnel—model project evaluation regarding quality and acceptance [AGnES: Hausarztunterstützung durch qualifizierte Praxismitarbeiter – Evaluation der Modellprojekte: Qualität und Akzeptanz]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(1–2): 3–9. VOLLTEXT
1. Hoffmann W, Bobrowski C, Fendrich K: Sekundärdatenanalyse in der Versorgungsepidemiologie – Potenzial und Limitationen. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 2008; 51: 1193–201. MEDLINE
2. Siewert U, Fendrich K, Hoffmann W: Analyse und Prognose der ambulanten Versorgungssituation sowie von Patientenzahlen in Mecklenburg-Vorpommern bis zum Jahr 2020. Abschlussbericht „Versorgungsepidemiologische Auswirkungen des demografischen Wandels in Mecklenburg-Vorpommern – Bereiche Ambulante Versorgung und Epidemiologie“. Institut für Community Medicine, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 2008.
3. van den Berg N, Dreier A, Rogalski H, Oppermann RF, Hoffmann W: Das AGnES Curriculum – Evidenzbasierte Qualifizierungsinhalte und Praxiskompetenzen aus den AGnES-Modellprojekten (2005–2008) für die Durchführung ärztlich angeordneter Hilfeleistungen in der Häuslichkeit der Patienten nach § 87 Abs. 2b SGB V. Schriftenreihe der Hochschule Neubrandenburg, Reihe G, Band 7. Neubrandenburg 2009.
4. van den Berg N, Meinke C, Heymann R et al.: AGnES: Supporting General Practitioners with qualified medical practice personnel—model project evaluation regarding quality and acceptance [AGnES: Hausarztunterstützung durch qualifizierte Praxismitarbeiter – Evaluation der Modellprojekte: Qualität und Akzeptanz]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(1–2): 3–9. VOLLTEXT

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