ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Arzneimittelrabatte: AOK vergibt Zuschläge

POLITIK

Arzneimittelrabatte: AOK vergibt Zuschläge

Rabbata, Samir

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LNSLNS Vom 1. Juni an startet die AOK ihre dritte Rabattrunde. Millionen Versicherte müssen sich darauf einstellen, andere Medikamente zu bekommen als bisher.

Nach monatelangem Rechtsstreit hat die AOK-Gemeinschaft Zuschläge für alle von ihr ausgeschriebenen 63 patentfreien Wirkstoffe erteilt. Damit können die von der AOK ausgehandelten Rabattverträge zum 1. Juni vollständig starten. Das gab der baden-württembergische stellvertretende AOK-Vorstand und Chefunterhändler Christopher Hermann in Berlin bekannt. Die neuen Arzneimittelverträge haben eine Laufzeit von zwei Jahren und wurden mit 22 Unternehmen der Pharmaindustrie geschlossen.

Nach den neuen Regelungen des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes sind die Apotheken verpflichtet, bei bestehenden Verträgen zwischen Krankenkassen und Pharmaherstellern den Patienten die rabattierten Medikamente abzugeben, wenn der Arzt nicht explizit die Substitution für das von ihm verordnete Arzneimittel ausgeschlossen hat.

Nach Angaben des Branchenverbandes „Pro Generika“ bestanden im Februar 2009 fast 7 000 Rabattverträge, an denen 201 Krankenkassen und mehr als 120 pharmazeutische Unternehmen beteiligt waren. Damit hat sich die Zahl der Verträge im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdoppelt.

Unternehmen unter Wettbewerbsdruck
Den Zuschlägen der Ortskrankenkassen vorausgegangen waren mehr als 40 Verfahren vor Vergabekammern und Gerichten, in denen die Rechtmäßigkeit der AOK-Rabattverträge mittlerweile abschließend bestätigt wurde. Die Pharmaindustrie hatte kritisiert, dass die Unternehmen der Marktmacht der AOKs von rund 40 Prozent des gesamten Arzneimittelumsatzes der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung wenig entgegensetzen können. Bemängelt wurde auch die Umsetzung der Ausschreibung.

Doch trotz ihrer Bedenken beteiligt sich die Industrie an den Rabattgeschäften. „Ihr bleibt gar nichts anderes übrig“, sagte unlängst der Geschäftsführer von Pro Generika, Peter Schmidt. Er sieht zwar die sich aus den Verträgen ergebende Preisspirale kritisch, doch „können sich die Unternehmen dem Wettbewerbsdruck nicht entziehen“.

Einsparpotenzial von einer halben Milliarde Euro jährlich
„Wir haben aus den Auseinandersetzungen gelernt und wissen heute ganz genau, wie eine erfolgreiche Ausschreibung von Arzneimittel-Rabattverträgen laufen muss“, erklärte Hermann. Das Einsparpotenzial für die AOKs beläuft sich nach seinen Angaben auf mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr.

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, begrüßte die Vereinbarungen: „Wir Ärzte verordnen jetzt das konkrete Präparat und wissen damit ganz genau, welches Medikament unsere Patienten bekommen.“ Weigeldt wies darauf hin, dass bereits der Hausarztvertrag des Deutschen Hausärzteverbandes mit der AOK Baden-Württemberg die Einhaltung der Rabattverträge zwischen der Kasse und den Herstellern beinhaltet. Auch Dr. med. Carl-Heinz Müller, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, räumte ein, Rabattverträge seien eine Möglichkeit, Kosten zu reduzieren. Die Therapiefreiheit des Arztes und die Therapiesicherheit für die Patienten stünden jedoch an erster Stelle und dürften dabei nicht aus den Augen verloren werden.
Samir Rabbata
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