ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2009Gentest vor Herzoperationen empfohlen

AKTUELL: Akut

Gentest vor Herzoperationen empfohlen

Dtsch Arztebl 2009; 106(20): A-956 / B-818 / C-794

EB

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LNSLNS Ein Gentest vor Herzoperationen könnte helfen, schwere Komplikationen wie Nierenversagen und Schockzustände zu vermeiden. Dieses Resümee zieht eine deutsch-australische Forschergruppe, die ermittelt hat, dass eine Genvariante bei manchen Patienten zu einer Resistenz gegen Noradrenalin führt. Das Katecholamin wird bei Herzoperationen zur Stabilisierung des Kreislaufs verabreicht.

Die Gründe für die Resistenz gegenüber Noradrenalin waren bislang unklar. Prof. Dr. med. Duska Dragun von der Berliner Charité und Dr. med. Anja Haase-Fielitz von der Medizinischen Klinik am Campus-Virchow-Klinikum gingen nun der Vermutung nach, unterschiedliche Varianten des Proteins Catechol-O-Methyltransferase (COMT) könnten zu dem Phänomen beitragen. Aus der Depressionsforschung ist bekannt, dass bei jedem vierten Europäer die Funktion dieses Enzyms eingeschränkt ist. Daher nützt bei Patienten mit dieser Genveränderung die routinemäßige Gabe von Noradrenalin in der Herzchirurgie nichts.

COMT-Enzym arbeitet langsamer
Im Rahmen ihrer Studie analysierten die Forscherinnen Blutproben und Krankenakten von 260 Patienten, die während einer Herzoperation an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen worden waren. Knapp ein Viertel der Patienten hatte von beiden Elternteilen jene Variante des COMT-Gens geerbt, die in einem langsam arbeitenden Enzym resultiert.

Von diesen Patienten erlitten 69 Prozent nach der Operation einen Kreislaufschock. Bei Patienten, die allein die Genvariante für ein schnell arbeitendes Enzym trugen, waren es 47 Prozent. Noch deutlicher seien die Unterschiede im Hinblick auf ein akutes Nierenversagen (31 beziehungsweise 14 Prozent) und die Notwendigkeit einer Nierentransplantation (acht beziehungsweise null Prozent) gewesen, berichtet die Gruppe in der Online-Ausgabe des „Journal of the American Society of Nephrology“ (DOI 10.1681/ASN2008080915).

Nach Ansicht Draguns sollten Patienten vor einer Herzoperation routinemäßig auf ihre Ausstattung mit COMT getestet werden. „Auch heute schon kann jeder klinische Pharmakologe ihn selbst durchführen“, betont sie. Derzeit planen die Medizinerin und ihr Team die Untersuchung größerer Patientengruppen. Zudem wollen sie herausfinden, welche alternativen Behandlungen für Patienten mit genetisch bedingter Noradrenalinresistenz geeignet sind.

„In etwa zwei Jahren sollten Ergebnisse vorliegen“, hofft Dragun. EB
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